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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 2 · p. Seite 85

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 2
Article
Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyclus
Date
1916-01-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyklus. 85 und Fremdheit entrücken, kurz solche Grund- und Haupttatsachen, aus welchen sich das Bestehen dieser Volksgemeinschaft ableitet, und deren Idee immerfort sich wieder verwirklicht. Der Stoff der Festpredigt ist also auch keineswegs die bloße Tatsache. Die Tatsache allein konnte nicht einmal das Fest erzeugen. Vielmehr ist die Tatsache und ihre Idee im Ineinander, wie sie erst das Fest erzeugt haben, so auch der wahre Fest- Stoff. Es ist also ein Fehler, bloß zu idealisieren, wie bloß zu historisieren. Wer beispielsweise am Peßach den Auszug aus Ägypten so bespricht, daß es ein wunderbares Ereignis war, infolgedessen unsere Väter die Freiheit erlangten, wer sich dann in jene Zeit vertieft und erbaulich darüber spricht, ohne nun den Übergang zur Gegenwart zu machen und zu zeigen, inwiefern sich damals eine Idee verwirklicht hat, die jetzt ebenso mächtig wirkt als vor Jahrtausenden, der hat erbauliche Exegese und Historie getrieben, aber sicherlich keine Feststimmung erzeugt Wer umgekehrt beispielsweise am Peßach eine Frühlings- oder meinetwegen eine Freiheitspredigt hält, ohne daß man sieht, die Befreiung aus Ägypten hätte ihm mehr als den bloßen Namen »Freiheit« geliefert, ohne daß man sieht, daß er seine Freiheitspredigt gelernt habe aus den Gedanken, welche die Befreiung aus Ägypten in ihm erregt hat, der hat den historischen Hintergrund des Festes verwischt und eigenmächtig Festgedanken erfunden. Freilich sieht es aus, als ob dadurch der Feststoff über Gebühr verengt würde und der Prediger, der bei jeglicher Wiederkehr des Festes zu sprechen hat, dadurch in Verlegenheit käme. Aber es dürfte ein Irrtum seih, daß die infinite Möglichkeit des Themas dem Prediger bequem ist. Dem jüngeren Prediger vielleicht. Der wird noch von Lieblingsgedanken beherrscht, die er gern an jedem Tage an den Mann bringen möchte. Aber man findet bald, wenn man in die Lage kommt, öfter an demselben Tage zu sprechenf daß innerhalb enger Grenzen sich noch immer reiche Auswahl findet. Ja derselbe Mensch wird, wenn er immer frisch erzeugt, genau über dasselbe Thema dennoch sehr ab-

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