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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 2 · p. Seite 84

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 2
Article
Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyclus
Date
1916-01-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyklus. von dem Unterschiede des dies festus vom Werkel tage ausgehen, ist jeder Sabbat ein Festtag. Alle jüdischen Feste haben mit dem Sabbat die Idee desselben gemeinsam, welches negativ zwar nur das Auf hören werktätiger Arbeit besagt, positiv aber zugleich die Bedeutung hat, daß wir unser otium Gott weihen. Auf der gemeinsamen Basis dieser Sabbatidee erheben sich aber zwei Gruppen von eigentlich sogenannten Festtagen. Sie bringen die Sabbatidee, die eigentlich für sie nur die conditio sine qua non ist, die Bedingung, ohne die uns die Muße für Gott fehlte, in Verbindung mit Gedanken, die das Fest erst zum Feste machen. Die eine dieser Festgruppen bezieht sich auf das äußere Bestehen Israels, auf sein Leben in der Zeit. Diese Feste sind geschiehtliehe und natürliche Feste zugleich und zumal — denn Geschichte und Natur machen den ganzen Wirkungs- und Leidenskreis des zeitlichen Menschen aus. Die andere Festgruppe hat es mit dem höheren, inneren Leben und Bestehen der Gottesgemeinde zu tun. Was nun die erste Festgruppe betrifft, die 3 ,Wallfahrtsfeste, so ist klar, daß namentlich in der Gegenwart, wo Israel nicht mehr eine Nation, sondern nur eine religiöse Gemeinschaft mit historischen Erinnerungen ist, mehr an diese historische Bedeutung des Festes, als an dessen mit dem Landbau zusammenhängende natürliche Bedeutung in der Predigt erinnert und angeknüpft werden müßte. Übrigens hat Wiener (Real- Wörterbuch I, Seite 432) überhaupt Recht, wenn er sagt, sie seien »ihrer ursprünglichen Bedeutung nach geschichtliche Feste, von dem Gesetz aber an die Epochen des Landbaues, als der Basis der israelitischen Constitution, angeknüpft.« Ja, wir möchten noch hinzufügen, daß die natürliche Bedeutung dem Volke nur die Stimmung und die Aufgelegtheit zu dem geschichtlich zu Feiernden geben sollte. Was dieses geschichtlich zu Feiernde selbst betrifft, so ist klar, daß das bloße Geschehensein, das bloße Historische an sich noch keine Festfeier erzeugen kann. Ein Volk feiert nur festlich, was auf besondere Weise Gemeingut und fortwährender Segen geworden ist, was Alle als ihr Eigentum betrachten, geistig mit durchleben und so der Vergangenheit

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