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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 2 · p. Seite 83

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 2
Article
Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyclus
Date
1916-01-01
Page
Seite 83 (sequence 3)
Language
German
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Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyklus. 88 die Gelegenheit dazu vom Zaune. Er riskiert, nicht bloß nichts auszurichten, sondern sogar zu verletzen, zu verstimmen. Wartet er aber, bis der Tag, bis die Gelegenheit, bis das Gotteswort das Thema an die Hand giebt, so hat er die invidia, die die willkürliche Wahl des Stoffes so leicht mit sich bringt, vermieden. Er kann gewissermaßen persönlich nichts dafür, daß das heutige Gotteswort sich richtend und vernichtend gegen eine unreligiöse Lebensäußerung in der Gemeinde verhält. Nur wenn Gefahr im Verzug ist, da ist eine beliebige Wahl des Gotteswortes wieder keine Abstraktion, da ist sie vom Inhalte des Lebensmomentes geboten. Wir haben also nach dem Gesagten unsere Aufmerksamkeit auf die cyklische Verteilung des Stoffes, wie ihn der Kultus an die Hand gibt, zu richten. Die Idee der Predigt fordert, daß sie keine Deklamation über ein selbstgewähltes Thema sei, sondern daß ihr der Stoff lebendig aus dem Gemeindeleben im Kultus zugeführt werde. Und die Wirklichkeit entspricht dieser Idee in einer periodischen Succession einzelner Pentateuchabschnitte, die zusammen den ganzen Pentateuch ausmachen. Kein Sabbat ist dem andern gleich, was die Predigt betrifft, denn die Sidra gibt ihm einen individuellen Charakter. Aber freilich kann der individuelle Charakter des Sabbats, des Tages überhaupt, auch anders woher als aus dem Wochenabschnitt stammen. Ja, es kann der Abschnitt selber erst seinen Ursprung aus diesem Hauptbestimmer herleiten. Ein solcher bestimmender Faktor ist die Festidee. Den Charakter von Sabb. Nachmu z. B. haben wir nicht aus ואתחנן zu lernen. Darum wird auch die periodische Reihenfolge des Gottes- Wortes naturgemäß durch die Feste unterbrochen, so oft die Festgedanken überwiegend als bestimmend wirken auch auf die Wahl der Abschnitte aus der Gotteslehre. Wir unterscheiden demnach die Festpredigt von der Sabbatpredigt und fügen als dritte Art noch hinzu die casueile Predigt, wie z. B. Traupredigten. Was nun zunächst die Festpredigt betrifft, so läßt sich ihr Wesen nur bestimmen, indem wir zugleich auf das Wesen des Festes selbst eingehen. Im allgemeinsten Sinn, wenn wir bloß ' 6*

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