Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyclus
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
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82 Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyldus. richtig erklärt, den Nagel auf den Kopf. »Jede Predigt, sagt er, soll eine Gelegenheitspredigt sein.« Er will sagen: Jede Predigt soll liervorgehen aus lebendiger, auch von der Gemeinde mitgeahnter Veranlassung, die in dem gerade so und nicht anders gearteten religiösen Moment liegt; Sie soll aber keine künstliche Abstraktion sein, die ein Thema erzwingt, das in derselben Weise nicht gerade heute, das auch ohne wesentliche Modifikation ein anderes Mal könnte behandelt werden. Jellinek's Sukkothpredigt über das Mutterherz ist bekannt. Ob diese Predigt an sich gut oder schlecht ist, gehört nicht hierher. Aber man kann fragen: Welche Veranlassung bietet der zweite Tag des Laubhüttenfestes, über das Mutterherz zu sprechen? Der lose Faden, mit dem der Ethrog und die Myrthe hinsichtlich ihrer Kraft und ihrer Frische mit der Kraft und der Frische des Mutterherzens zusammenhängt, ist eben ein loser Faden, und das ist, was wir künstliche Abstraktion nennen, dem man den Zweck gleich ansieht, auf ein in petto bereitgehaltenes Thema zu kommen. »Man merkt die Absicht und wird verstimmt.« Man redet fruchtbarer, wahrer, wo das Leben selbst, also der Tag mit seiner mdividuellen Bestimmtheit, die causa, den Stoff anweist und man sich nicht erst abzuarbeiten hat nachzuweisen, es sei doch nützlich, auch einmal über diesen Gegenstand zu reden. Kurz, um das Gesagte zu formulieren: zum objektiv Gegebenen rechnen wir nicht bloß das ganze große Stoffgebiet, sondern auch die Stoffpartien, die der religiöse Lebensmoment als gerade gegenwärtig vor anderen wählbar abschneidet, begrenzt. Die subjektive Freiheit hat darum noch immer einen gewaltigen Spielraum. Auch das durch den Tag angewiesene Stoffgebiet läßt eine Auswähl. Es kann uns ja bald dieser, bald jener Teil desselben durch Stimmung, Zeit, Gemeindeverhältnisse, Ideenverbindung usw. näher liegen. Aber der Tag als solcher hat seine unbestreitbaren Rechte. Ja, das ist von der, wenn wir jüdischerseits so sagen dürfen, pastoralen Seite betrachtet, sogar ein Glück für den Prediger. Denken wir uns den Fall, es hätte ein Prediger etwas in seiner Gemeinde zu rügen. Der eine Prediger bricht