Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyclus
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 81 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Verteilung des homiletischen Stoffes für den kultischen Cyclus. Aus den am jüdisch-theologischen Seminar in Breslau1) gehaltenen homiletischen Vorlesungen M. Joels s. A. herausgegeben v. A. Eckstein. Der homiletische Stoff, wie ihn die Bibel darbietet, ist ein großes und weites Gebiet. Rechnen wir dazu die individuelle Ausprägung dieses Stoffes, so findet sich der Prediger einem weiten Stoffesgebiet mit großer Indifferenz gegenüber; er befindet sich in einem embarras de choix. Die jedesmalige Stoffeswahl darf aber nicht bloß darum weder zufällig noch mechanisch sein, weil gerade die Unbegrenztheit und die unendliche Möglichkeit Verlegenheit bereiten müßte, sondern weil die jedesmalige Wahl des Stoffes, so sie nicht mit einer Art von Notwendigkeit aus dem Kultus und aus dem Wesen des Tages hervorgeht, allemal etwas Künstliches, etwas Gemachtes, etwas von den fingierten Fällen der alten Sophisten und Rhetoren an sich hat. Ein homiletisches Paradoxon, das Löfflers aufgestellt hat, trifft, ב) Die handschriftliche Ausarbeitung der Vorlesungen, die mein verewigter Schwiegervater (nach Brann’s Mitteilung in seiner »Geschichte des jüd. theol. Seminars in Breslau« S. XXV) erstmalig i. J. 1858 gehalten und die meinem verewigten Schwager Bernh. Ziemlich bei Abfassung seines Vorworts zum 1. Bande der von uns gemeinsam herausgegebenen »Predigten aus dem Nachlaß von Dr. M. Joel» (vgl. S. XI) noch unbekannt gewesen, hat sich in unvollendeter und unvollkommener Form erhalten. Ich bringe nachfolgend ein Kapitel aus diesen Vorlesungen, die sich übrigens an Palmers Homiletik anlehnten, zur Veröffentlichung in der begründeten Voraussetzung, daß es im Kreise der Fachkollegen sehr interessieren wird, aus derselben ersehen zu können, wie der spätere Meister der Kanzelberedtsamkeit in seiner Jugendzeit als Theoretiker über die Aufgabe des jüd. Predigers gedacht und gelehrt hat. Monatsschrift, 60. Jahrgang. ß