Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus der Zeit vor hundert Jahren
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus der Zeit von vor hundert Jahren. 137 Schmach und Sklaverei befreit, der unseren geliebten König und seine Getreuen gnädig geschützt und sie mit Macht, Sieg und Ruhm umgürtet« hat und die Gemeinde den Tag erleben ließ, an dem der bei einer Feuersbrunst in Asche gesunkene Tempel in neuem schönerem Glanze erstanden ist. Daran knüpfte sich dann nach einer Pause, die wahrscheinlich durch einen Gesang ausgefüllt worden ist, eine Anrede ar! die »jungen Freunde, die den rühmlichen Entschluß gefaßt haben, zu gehen in den Kampf für Gott, König und Vaterland! Wir, des Vaterlandes jüngste Kinder«, sagte der Redner, »blieben im vorigen heiligen Kriege nicht zurück, und aufs neue zeigt sich unser kindlicher Sinn, unsere Anhänglichkeit, unsere Liebe zu unserem Vater durch die Bereitwilligkeit, Gut und Blut für das Vaterland, für unser Vaterland hinzugeben . . .! Ziehet hin, Brüder, Freunde. Ihr habt Euch unsere Achtung erworben, unsere Zuneigung . . . Unsere heißen Wünsche folgen Euch . . . Und kehrt Ihr einst, wir sehen es mit Zuversicht entgegen, als Sieger wieder heim, so lohnt Euch der warme Dank des Königs, des Vaterlandes und jedes Menschen von biederem Sinn und biederem Herzen . . . Heil dem Könige, dem Vaterlande, den tapferen Söhnen des Vaterlandes!« Ein Zeugnis ungleich größerer rednerischer Gewandtheit und zugleich viel reicher an Inhalt ist die Predigt, die einige Monate später der Gl ogau er Oberrabbiner Abraham Ge dal ja Tickt in 1J bei Gelegenheit des Festes gehalten hat, welches in der Synagoge daselbst am 23. Juli 1815 wegen des triumphirenden Einzuges der Alliierten in Paris gefeiert worden ist. Der Festredner besaß damals bereits wegen der Tiefe und des Umfanges seiner rabbinischen Gelehrsamkeit einen ausgebreiteten Ruf unter seinen Zeitgenossen. Sein handschriftlicher Nachlaß, von dem nur ein Teil veröffentlicht worden ist, füllt etwa 20 Folianten, die sich seit ג) Er selbst schrieb seinen Namen »Tiktin« und die Familie trug ihn gewiß von ihrem Herkunftsort Tykoczyn, der gerade jetzt bei den Kämpfen der Bug-Armee öfter genannt wird.