Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Monumenta Talmudica
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 4)
- Language
- German
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110 Monumenta Talmudica. in jüdischen Gel ehrten kreisen nur allzugut begreifen. Wir sind nicht verwöhnt darin, objektiv behandelt zu werden, weder als Gegenwartserscheinung, noch als geschichtliches Phänomen, noch in unseren literaischen Produkten ältester und neuester Zeit. Auch darin hat sich im Grunde genommen nicht viel geändert. Die Resultate waren bei Pfefferkorn und Eisenmenger wohl gefährlicher und roher, sind bei Schürer, Bousset, Harnack und den Religionsphilosophen gegenwärtigster Gegenwart, wie bei Deussen — »Philosophie der Bibel« — feiner, aber nicht weniger gefahrvoll. Objektiv aber sind sie nicht. Sie sind es nicht bei der Auswahl und noch weniger bei der Benutzung der Quellen. Was sich da nichtjüdische Gelehrte von Weltruf leisten dürfen, spricht aller voraussetzungslosen Forschung geradezu Hohn. Es ist hier nicht die Stelle, Beispiele anzuführen. Sie füllen Bände. Wo die sonst so rigorosen Quellenforscher, die mit deutschester Gründlichkeit arbeiten, an die Pforte des Christentums gelangen und an seine Entstehungsgeschichte aus dem Judentum, verlieren sie alle wissenschaftliche Haltung und werden zu eifervollen Missionaren, verlieren geradezu den Blick für das Wahre und Falsche. Handelt es sich nun gar um die Persönlichkeit des Stifters, dann ist es um alle Geschichtlichkeit getan. Ein schreiendes Beispiel dafür ist Deussens oben erwähnte »Philosophie der Bibel« in dem Kapitel über Christentum und Jesus. Um so notwendiger ist also die Garantie für Objektivität. Allerdings zunächst kommen eigentlieh bei den Monumenta Hebraica (Talmudica) nur jüdische Forscher zum Wort. Funk hat den ersten Band »Bibel und Babel« bearbeitet. Das klingt wie ein Schlachtruf und ist für meinen Geschmack unglücklich gewählt, entspricht auch nicht ganz dem Inhalt. Babel allein hätte genügt, wenn es auch den Umfang des Gebotenen nicht ganz erschöpft. »Bibel und Babel« wurde der erste Band ursprünglich benannt, weil damals dieses Losungswort zündende und propagandistische Kraft besaß. Ich habe schon seinerzeit meine ernsten Bedenken darüber geäußert. Nunmehr, da das ganze Spectaculum endgiltig vorüber zu sein scheint, ist dieser Titel wirklich deplaziert. Wo ist. die