Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ohne Unterschied von Geburt und Religion
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Ohne Unterschied von Geburt und Religion. gesetzt sehen wollten1). — So nach 1813 — Der Rückschlag nach 1870 ist bekannt. Nun aber hoffen wir nach dem Siege, der unser sein wird, nach dem Siege über die Mächte der Unkultur, des Neides und Hasses, da nach den Worten des Reichskanzlers vom 2. September 1914 »wie vor einer Zaubergewalt die Schranken niedergesunken sind, die wir miteinander aufgerichtet, in Mißverstand, in Mißgunst und Mißtrauen,« da es ihm »wie eine Befreiung und wie eine Beglückung ist, daß einmal dieser ganze Wust und Unrat weggefegt worden ist, daß nun nur noch der Mann gilt, einer dem andern gleich, einer dem andern die Hand reichend für ein ewiges, ein heiliges Ziel«, nun erhoffen wir die Fortdauer des geistigen Sieges über alles Niedrige und Kleinliche, das gegenwärtig aus unserer Mitte gebannt ist. Dafür bürgt uns unseres Kaisers und so vieler Führer Wort. Der Kaiser kennt »keine Parteien mehr, sondern nur Deutsche«. Der Reichskanzler hat in der Reichstagssitzung es feierlich versprochen, daß auch in den politischen Parteikämpfen es nur mehr Deutsche geben dürfe. Er fordert auf, im glücklich erkämpften Frieden den wunderbaren Geist, der in seltener Einigkeit die Herzen durchglüht, als heiligstes Vermächtnis aus dieser furchtbar ernsten und großen Zeit hochzuhalten. Generalleutnant v. Pfühl erklärte, als Beschwerden über eine kränkende Behandlung von Israeliten durch Mitglieder des Roten Kreuzes in Berlin laut geworden waren: »Das rote Kreuz ist interkonfessionell, die Zeichen von Unduldsamkeit widersprechen vollkommen seinem Geiste und ebenso der Willensmeinung Sr. Majestät des Kaisers und Königs.« Graf v. Bernstorff, der deutsche Botschafter in Washington, schreibt in einem Briefe an den Redakteur der neuen jiddischen Zeitung (»der Tag«): Deutschland hat seinen Juden alle bürgerliehen Rechte gegeben, die wenigen letzten Schranken werden mit diesem Kriege fallen.« Prof. Eucken bemerkt in einem Aufsatze »Weltkrieg und Idealismus« (Leipz. Illustr. Zeitung vom 10. Dez. J) Brann a. a. O. W. Freund, zur Judenfrage in Deutschland I, S. 214.