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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 2 · p. Seite 88

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1915-01-01
Page
Seite 88 (sequence 7)
Language
German
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88 Die Darstellung der Judeji im deutschen Roman Rasse als sozialpolitischen Prügelknaben zu erklären.« »Die Söhne Israels sind das auserwählte Volk Gottes« entgegnet der Pfarrer. »Es war kein Zweifel, dieser getaufte, leidenschaftliche Jude glaubte unerschütterlich fest an die grausige Mission, die seine Phantasie Israel zuschrieb . . . und er fühlte sich ungeachtet seines orthodoxen Glaubens solidarisch mit dem Stamme, dem er entsprungen. Trotz Tonsur und Taufe und Talar war er durch und d^urch Jude geblieben.« David muß bei all seinem festgegründeten humanistischen Freisinn diese Überzeugung achten, und der Verkehr dauert, wenn auch seltener, fort. Als aber Jonathan, dem Versprechen Josefs zuwider, der das Wunder der Genesung selbst fest erwartet hat, stirbt, ist der Priester fast ge״ brochen. Auch dem unduldsam gewordenen, einfältigen Raphael entfremdet, vereinsamt David immer mehr. Und aus verschiedenen anderen Anlässen erkennt er auch den psychologischen Vorgang, dem der Antisemitismus seine Macht verdankte. Die Schuld einzelner Individuen wurde auf ein ganzes Volk ge״ wälzt, wie die Entartung einzelner Journalisten auf ihren ganzen Stand. Die Villa, in der Jonathan gestorben, wird von Isak zu einem Spitale unter der Leitung Josefs bestimmt und daran dem jungen Dr. Geist, einem Freunde und Glaubensgenossen Davids, eine reichdotierte Stellung zur Verfügung gestellt. Dieser lehnt ab, um nach Jerusalem zu gehen, wo er den Volksgenossen nützlicher sein zu können glaubt. Das gibt dem Verfasser Gelegenheit, seine Ansicht über den Zionismus auszusprechen. Dr. Geist nämlich, der als Student wie einst David die deutsche Studentenmütze getragen und die deutschen Ideale hochgehalten hat, ist infolge der Verhältnisse Zionist geworden. »Sie haben,« belehrt er David, der ihn abzuhalten sucht, »über uns, unsere Pläne und Absichten eine ganz falsche Vorstellung. Ihr Urteil über den modernen Zionismus ist das der Reichen Israels, die den Jammer der armen Juden nur vom Hörensagen kennen«. David muß beschämt einräumen, daß er von der mächtigen Bewegung, die in den dunkeln, tiefen Schichten seines Volkes seit einigen Jahren gährie, nur oberflächlich

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