Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 4)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. ebenso viel verschlagene, geldgierige, gewissenlose Wichte gibt wie unter Israel.« »Weshalb״aber fühlte sich der Christ nicht durch die verächtliche Tat eines andern geschändet? Das große Geheimnis lag in der geringen Zahl und im festen Zusammenhalt der Gemeinde.« So möchte David seinen Vetter gern bessern, und da es nicht gelingt, muß Isak seine Wohnung verlassen. Mit 7000 Gulden in der Tasche und einem Kopf voller Pläne geht er nach Paris und überwindet hier alle Schwierigkeiten mit der merkwürdigen Fähigkeit seiner Rasse, sich fremden Verhältnissen verblüffend rasch anzupassen. Untergekommen bei einem jüdischen Bankier, der jedoch keineswegs die Fähigkeit besitzt, sein ererbtes Vermögen auch nur zu erhalten, erlangt Isak bald eine einflußreiche Stellung im Geschäfte, weiß sich rasch ganz zum H errn zu machen und endlich sogar durch einen ebenso kühnen als klugen Streich die Tochter eines reichen Geschäftsfreundes als Frau heimzuführen. Bankier Ostheim wird ein Spielball in den Händen seines Angestellten. »Hören Sie, Isak,« sagt er mit zitternder Stimme, »man mag über uns Juden denken, wie man will. Aber eine Gerechtigkeit muß man uns widerfahren lassen: Wir lieben unser Geschäft! Und was man liebt, das schändet man nicht, Sie aber wollen meinen ehrlichen Namen in einer Schwindelfirma mißbrauchen. Daraus wird nichts«. Darüber beruhigt ihn Isak, er wird Kompagnon und bald alleiniger Herr. Raphael, ein Schwachkopf, hat durch seine Schönheit ein Bauernmädchen zur Frau gewonnen und Ist Händler von — Paramenten und Heiligenbildern geworden. Ihn vertritt einmal, als er in die Kirche gegangen ist, Dr. David. Eine alte Frau fordert ein Bild des heiligen Sebastian. Er schenkt ihr dazu ein zweites Bildchen für ihren gelähmten Enkel, und sie dankt ihm als einem gar christlichen Herrn. Der einfache Sinn der armen Frau faßte eben alles Gute, Barmherzige, Freundliche in dem einen Worte »christlich« zusammen. War es ihre Schuld, wenn in diesem Falle die Antithese fast grotesk und verletzend wirkte? Bilden »jüdisch« und »christlich« Gegensätze? Was gibt dem gesprochenen Worte seine Kraft? Die ursprüngliche Bedeutung oder der Sprach-