Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 84 (sequence 3)
- Language
- German
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84 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman er hat Recht: denn nur dem Klugen und Starken hat Gott die Welt geschenkt.« Das ist die feste Überzeugung und bleibt die Richtschnur für das Leben Isaks, des von betrunkenen Bauern oft mißhandelten Judenjungen. In Wien treffen alle drei nach einiger Zeit sich wieder• Der schwärmerische Raphael ist aus dem Elternhause geflohen und hat sich taufen lassen. Vater und Großmutter ist er damit so gut wie gestorben. Sie betrauern ihn nach jüdischer Weise als Toten. David, obwohl Dr. der Medizin, wird Redakteur eines von seinem Freunde, einem waschechten Deutschen, geleiteten Blattes, auch als solcher der Idealist, der er stets war, während Kuno Müller frivol ist und auch ber£ft, seine und des Blattes Überzeugung zu verkaufen. Den kranken Raphael nimmt David bei sich auf, ohne Rücksicht auf dessen Taufe und behandelt ihn »mit der ganzen Zähigkeit und Energie, die die jüdischen Ärzte seit altersher ausgezeichnet hat«. Er fühlt ganz den Gegensatz zwischen dem Landmann, der sein Stück Land selbst bepflanzt, und dem Juden ohne Grund und Boden, er erkennt, daß die ganze, ehrwürdige Geschichte seines Volkes den Kampf um den Besitz von Erde bedeutet von Moses Zeiten an, der deshalb das Volk aus Ägypten geführt hatte. Aber man hat Israel gelehrt, klug, heimatlos, beweg!ich zu werden, die vielen Jahrhunderte hindurch, als man ihm die Erde verwehrte und dem Klügsten, Heimatlosesten, Beweglichsten mußte der Sieg in dem Großstadtleben der Neuzeit verbleiben. Bei David findet auch Isak sein Heim. Dieser verkehrt viel mit dem Agenten Isidor Gelb, einem schlechten Menschen, wie er selbst: Isidor Gelb, weil er um jeden Preis leben, Isak, weil er um jeden Preis reich, sehr reich werden will, beide ohne jedes Rechtsgefühl, beide leider nach der Natur, denn es gibt ja in der Tat solche Juden, nur daß Wrede eben gerecht genug ist, nicht alle Juden vorweg als schlechte Menschen zu betrachten, und es ist nur billig, daß neben dem Lichte auch der Schatten nicht fehlt. David schämt sich Isaks wegen, ein Jude zu seiny weil dieser den Beschuldigungen der Judenfeinde Berechtigung verleiht, obwohl er nicht verkennt, daß es auch unter den Christen