Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neuaufgefundene römische Inschriften aus einer jüdischen Katakombe
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/2829132-2829866-2829869-2893328--41666-2893380- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
80 Neuaufgefundene römische Inschriften a. ein. jüdischen Katakombe. Angehörige oft in Inschriften genannt werden, führt diesen Titel, weil er die Würde eines Archon in der Judengemeinde bekleidet halle. Der sozialen Stellung wird in den Inschriften nie Erwähnung.getan, sondern nur der Ehrenämter, die das Verhältnis einer Persönlichkeit zur Gemeinde bezeichnten, wie Archon, Priester, Gesetzlehrer, Grammateus usw. Den Titel primus archon finden wir in der Inschrift: L. Maecio, L. Constantio et Maeciae L. (uciae) Lucianidi et L. Maecio Victorino et L. (uciae) Maeciae Sabbatidi filis et Jul (iae) Alexandriae coniugi fecit b (ene) m (erentibus) L. Maecius primus archon s(ancti) alti ordinis. Dieser Titel dürfte mit Archisynagogus identisch sein und den Vorsitzenden des heiligen Kollegiums bezeichnen, welches die administrativen Angelegenheiten und wohl auch die juristische Vertretung der jüdischen Gemeinde besorgte. Die Söhne und die Töchter führen den gleichen Vornamen Lucius (resp. Lucia) wie der Vater, — eine Sitte, weiche erst in der Zeit des Kaisers Augustus auf kam. Eine längere, in volkstümlichem Latein abgefaßte Inschrift lautet in der Übertragung: »Hier ruht Regina in einem solchen Grabe bestattet, welches ihr der Gatte bereitet hat, indem er ihre Liebe vergalt; sie hatte nach 20 Jahren ein Jahr und 4 Monate mit ihm verlebt, die wiederum ans Tageslicht zurückkehren wirdi Denn sie kann dies deshalb hoffen, weil eine, die einen Sitz in dein zu erflehenden Lande (sc. dem Paradiese) verdient hat, sich zur verheißenen Unsterblichkeit erhebt, was Würdigen und Frommen wahrhaft zugesagt ist. Es wird dir dies deine Frömmigkeit, dein keusches Leben, deine Liebe zu dem Geschlechte, dies dein Gehorsam gegen das Gesetz, deine Verdienste um den Gatten, dessen Ruhm deine Sorge war, erwerben. Für solche Taten darfst du künftigen Lohn erwarten. Deshalb findet auch der betrübte Gatte Trost.« Einer Proselytin gilt die Inschrift: Felicitas proselyta ann (orum) VI Nuen n (online) peregrina quae vixit ann. XLVII patrontis bene merenti. Felicitas kommt als Name von Christinnen häufig vor. Die Worte ann. VI bedeuten, daß sie durch sechs