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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 2 · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 2
Article
Neuaufgefundene römische Inschriften aus einer jüdischen Katakombe
Date
1915-01-01
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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Neuaufgefundene römische Inschriften a. ein. jüdischen Katakombe. 79 zunächst Schlag- oder Rufname, was der Literatursprache fremd ist und auf lateinischen Inschriften etwa vierzigmal begegnet. Die als signa erkannten Namen tragen durchwegs die Endung ius. Die Sitte der Rufnamen begegnet uns in den verschiedensten Schichten der Gesellschaft. Wir treffen sie bei den Angehörigen der höheren Beamtenaristokratie, aber auch in anderen Kreisen, z. B. bei Gladiatoren, Wagenlenkern, Schauspielern usw. Auch die Angehörigen von Vereinen pflegten sich Decknamen beizulegen. Unter der Devise »Standhaftigkeit, Frohsinn, Eintracht« schlossen sich scheinbar Leute besserer Stände zu Kränzchen, Vereinen, Klubs zusammen, und sie konnten sich, falls sie sich überhaupt namentlich kennzeichnen wollten, kaum anders nennen als »Constantii, Concordii, Gaudentii.« Häufig bediente man sich der Rufnamen auch in Grabschriften, ferner in Begrüßungsformeln, wie dies auf Trinkschalen, Ringen, Widmungen, in Briefen und dgl. üblich war. Sie kamen am Ende des zweiten oder zu Beginn des dritten Jahrhunderts nach Christus auf. Die angezogene Grabschrift lautet darnach in der Übersetzung: »Ich, o Freunde, erwarte euch hier, Leo ist mein Geschlechtsname, Leontius mein Rufname.« Die naive Fassung der Inschrift erinnert uns an Formularien, die wir auch in unserer Zeit noch auf Grabsteinen lesen. Es möge beispielsweise auf die Grabschrift: »Ich lieg7, ich lieg’ im Rosengarten und tu auf euch, Geliebte, warten« verwiesen werden. Eine andere Inschrift lautet: Inpendi anima innox, qui vixit annos tres dies viginti oct(o), zu deutsch: Des Inpendius unschuldige Seele, welcher 3 Jahre und 28 Tage gelebt hat. Die Buchstaben der Inschrift sind so angeordnet, daß in der Mitte ein freier Raum, der durch 4 Zeilen reicht, freigelassen wurde. Er war wohl zur Aufnahme eines bildlichen Schmuckes, eines Zweiges oder einer Taube, bestimmt. Zwischen den Worten Inpendi und anima befindet sich die Skizze eines siebenarmigen Leuchters, wodurch der Knabe als zum Judentume gehörig gekennzeichnet wird. Eine weitere Inschrift: C. Furfanius Julianus exarchon, qui vixit annis XXVIIL Der Exarchon, der einer gens angehört, deren

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