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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 2 · p. Seite 72

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 2
Article
Eine spasshafte Prozessgeschichte mit ernstem Hintergrund
Date
1915-01-01
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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72 Eine spaßhafte Prozeßgeschichte mit ernstem Hintergrund, Schluß des von ihm zitierten Satzes 3. Mos. 19, 34 gelesen haben, der die befohlene Liebe des Fremdlings mit den Worten begründet: »Denn Fremdlinge seid ihr gewesen im Lande Ägypten?« (Vgl. 5. Mos. 10, 19). Konnten die Israeliten, wenn sie ihre fünf Sinne beisammen hatten, aus dieser Begründung folgern, daß sie ihre Liebe nur auf den »in das Verhältnis des Gastrechts und der Schutzbürgerschaft eingetretenen und daher dem Volksgenossen vielfach gleichgestellten Fremdling« einzuschränken brauchten, »daß aber von dem eigentlichen Ausländer, dem Volksfremden im Vollsinn (nokri) ganz anderes gilt?« Waren denn die Israeliten In Ägypten nicht »eigentliche Ausländer und Volksfremde«, ja noch viel weniger, gepeinigte und geschundene Sklaven gewesen? Trotzdem, oder vielmehr eben deswegen, weil sie wußten, wie dem Fremdling, nämlich dem gequälten und gepeinigten Ausländer und Volksfremden im Vollsinne »zu Mute ist« (2. Mos. 23, 9), sollten sie — nun folgern Sie, Herr Prof. Kittel! — etwa ihre Frauen und Kinder lieben? — oder den »dem Volksgenossen vielfach gleichgestellten Fremdling?« — nein, den »eigentlichen Ausländer, den Volksfremden im Vollsinne« sollten sie lieben, denn deren Gemütsverfassung hatten sie ja in Ägypten kennen gelernt und sollten eine gleiche — durch ihre Liebe — bei diesen, also den Fernsten, nicht aufkommen lassen. Dies ist die einzig richtige Folgerung. Sonst wäre ja die Berufung auf Ägypten sinnlos. Aber die Schrift sagt: »Dich hat man als Ausländer sklavisch behandelt, nimm dir daran ein abschreckendes Beispiel und behandle den Ausländer liebevoll.« Sparen Sie daher, geehrter Herr Professor, Ihre Wissenschaft vom »Nokri« für die Politik auf, die Liebe aber kennt im Alten Testament keine politische noch volkswirtschaftliche Schranke. Wie ganz anders urteilt doch Cornill in seinem Buche von der israelitischen Profetie über diese Begründung! Er sagt — ich habe das Buch nicht zur Hand, kann daher die Seitenzahl nicht angeben —, daß er diese Begründung nicht ohne Rührung lesen könne, indem darin die Israeliten trotz der ihnen zu Teil gewordenen schlechten Behandlung noch zur Dankbarkeit gegen die Ägypter aufgefordert werden (Vgl. 5. Mos.

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