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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 2 · p. Seite 71

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 2
Article
Eine spasshafte Prozessgeschichte mit ernstem Hintergrund
Date
1915-01-01
Page
Seite 71 (sequence 7)
Language
German
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Ein« spaßhafte Prozeßgeschichte mit ernstem Hintergrund. 71 der Bibelkritiker, schleicht sich um diese Frage herum, wenn er am Ende seiner Israelitischen und jüdischen Geschichte ausruft: »Wahrlich, ein göttliches Wunder in dieser Zeit!« Ist dies bildlich gemeint, oder buchstäblich? Ein delphisches Orakel! Und so wären noch andere Fragen und Vorfragen aufzu werfen z. B., da auch nach Kittel der Gott der Juden und der Christen »im letzten Grunde derselbe Gott« (S. 67) ist, die Frage: »Ist dieser Gott nun dreieinig oder einig?« Darüber muß doch Klarheit herrschen, wenn man über Jahwe ein gerichtliches Gutachten abgeben soll und dabei wie Kittel einbekennt: »Ich kann freilich strenggenommen nur als Christ urteilen« (S. 70.) Da nun die bibelkritischen protesr tantischen Theologen auf dem Gebiete der jüdischen Bibel schalten wie sie wollen — denn die Einwendungen der jüdischen Sachverständigen werden, wie ich sogleich zeigen werde, überhört, ohnehin sind sie in der Minderzahl —, so entwickelt sich bei ihnen (den protestantischen Bibelkritikern) ein geradezu unerträglicher Hochmut, von dem wahre Wissenschaftlichkeit sich fernhält und mittels dessen sich nur die unechte für echt auszugeben sucht. Auch Kitte! ist von diesem Hochmut nicht freizusprechen. Ich könnte für diese Behauptung vieles aus seiner Schrift beibringen, will mich aber, um diese Besprechung nicht zu sehr zu verlängern, auf die Note S. 44 beschränken, in der er die bekannte Stelle 3. Mos. 1g, 18 (das Gebot der Nächstenliebe) bespricht und die Ansicht Cohens, daß hebr. Rea (der Nächste) im Alten Testament »keineswegs nur den Vo!ksgenossen bedeute, und daß nach 3. Mos. 19,34 auch der »Fremdling«, also auch der »Fernste« in die Liebe eingeschlossen sei,« bestreitet. Die Bestreitung, wenn wissenschaftlich begründet, ist Kittels gutes Recht. Aber die ganze, viel zu sehr mit der Person Cohen's sich beschäftigende Diktion und der dozierende Ton der Note muß auf jeden nur einigermaßen Feinfühligen den Eindruck des Hochmuts machen. Dieser geht aber auch aus der geradezu kümmerlichen Dürftigkeit des sachlich Dargebotenen hervor. Kittel fragt: »Sollte Prof. Cohen wirklich nicht wissen, daß das Alte Testament streng scheidet zwischen Fremdling und Fremd- Hing?« Ich stelle die Gegenfrage: Sollte Prof. Kittel nicht den

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