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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 2 · p. Seite 62

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 2
Article
Der Weltkrieg und das Rasseproblem
Date
1915-01-01
Page
Seite 62 (sequence 4)
Language
German
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62 Der Weltkrieg und das Rasseprobleni den tiefen und edlen Gedanken unserer Großen, eines Leibniz etwa oder Goethe, schroffer widerspräche, das weiter abstünde von echter Germanenkraft und Germanengerechtigkeit. Denn die achtet an jedem Lebensgenossen , auch am Feinde, die fremde Art«. (Ko nrad Burdach, Zeitschrift für den deutschen Unterricht 1914. Bd. 28, S. 676 f.) Der Gedanke aber, daß die Deutschen die Erben der alten Germanen seien, ist überhaupt verfehlt. Die reinen Germanen in Deutschland bilden nur einen äußerst geringen Bestandteil des deutschen Volkes. Wir wissen, daß das ganze Land östlich der Elbe im frühen Mittelalter slavischer Besitz wurde und erst seit dem Jahr 1200 etwa in mühseliger Kolonisation dem Deutschtum wiedergewonnen wurde. Auf diesem slavisch-germanischen Mischboden ist der preußische Staat erwachsen, dessen Name ja schon auf seinen Ursprung hindeutet. Diesem Mischstaate aber verdanken die Deutschen ihre Wiedergeburt als vereintes Volk. In Süddeutschland steckt eine Unmenge keltischen und romanischen Blutes, das auch am Rhein merklich vertreten ist. Das hat jüngst der Historiker Hans Delbrück in einem Vortrag ausgeführt und betont, daß nicht die physische Abstammung, sondern der Geist die Natur eines Volkes ausmacht. Wir wollen uns aber keiner Täuschung hingeben. Alle diese gewichtigen Stimmen, alle wissenschaftlichen und logischen Ausführungen werden den Rassewahn nicht austilgen, denn er ist für seine Anhänger zu einem Glaubensartikel geworden. Nur eine Hoffnung bleibt bestehen: die Erwartung, daß die Wucht der gewattigen Ereignisse, die sich gegenwärtig abspielen, auch dem blindesten Rassegläubigen die Augen öffnen wird über den Irrweg, den die Rassenlehre gegangen ist. Denn wo bleibt im Völkerkrieg die arische Blutsgemeinschaft? »Arier« sind ja der Sprache nach alle die Völker, die uns jetzt feindlich gegenüber stehen: die Franzosen, die Nachkommen der alten Kelten; die Russen mitsamt ihren sprachlichen Brüdern, den Serben; und gar erst die Engländer. In ihren Adern fließt nicht nur arisches, sondern sehr viel germanisches Blut, wenn es auch durch die

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