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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 2 · p. Seite 60

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 2
Article
Der Weltkrieg und das Rasseproblem
Date
1915-01-01
Page
Seite 60 (sequence 2)
Language
German
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60 Der Weltkrieg und das Rasseproblem. als minderwertige Erscheinungsformen des homo sapiens zu betrachten sind. Ja, er geht noch weiter. Die arische »Edelrasse« steht nicht nur körperlich, sondern auch geistig über den andern Menschentypeij; sie allein besitzt alle uns schätzbar erscheinenden geistigen Eigenschaften: Mut und Tapferkeit, Treue und Todes- Verachtung, Pflichtgefühl und Aufopferungsfähigkeit, Frömmigkeit und Keuschheit. Da man für die konstruierte arische Edelrasse nun aber auch einen sichtbaren Ausdruck haben mußte, so vereinigen die Rassetheoretiker alle diese hervorragenden Eigenschäften des Leibes und des Geistes auf die Germanen, die ihnen als das auserwählte Volk der Vorsehung gelten. Es läßt sich aber nun einmal nicht leugnen, daß es auch außerhalb des germanischen Stammes Völker oder wenigstens Menschen mit vorzüglichen körperlichen und geistigen Eigenschäften gibt. Die Rassegläubigen gebrauchen folgendes Mittel, um diese ihnen unbequeme Tatsache aus der Welt zu schaffen: sie erklären alle Leistungen nichtgermanischer Völker auf dem Gebiet der Religion, der Kunst, der Dichtkunst, der Wissenschaft aus einem germanischen Einschlag, den diese Völker bei der großen Ausbreitung der Germanen nach dem Sturz des Römerreichs aufgenommen haben. Ein Dante, ein Michel Angelo, ein Petrarca, ein Raffael, ein Rabelais und Moliere usw. sind nach ihnen germanischen Geblüts. Reichen unsere geschichtlichen Kenntnisse bei derartigen Erklärungsversuchen nicht aus, so wird zur prähistorischen Ausbreitung der »Arier« gegriffen, um z. B. die Blüte der Wissenschaft und Dichtkunst bei den Griechen oder die Rehgionsbedeutung des jüdischen Volks zu erklären. Besonders unangenehm ist den Rassefanatikern die Tatsache, daß der Jude Jesus der Stifter des Christentums gewesen ist Darum wird er schlankweg als Mann »arischer« Abstammung angesprochen, ohne daß auch nur der Schimmer eines Beweises für eine derart in der Luft schwebende Hypothese versucht würde. Wir könnten über diese Art Mythenbildung einfach zur Tagesordnung übergehen, wenn der Rassensport nicht unangenehme und bedenkliche Folgen nach sich zöge. Man kann sich leicht

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