Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Weltkrieg und das Rasseproblem
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 59 (sequence 1)
- Language
- German
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Der Weltkrieg and des Rasseproblem. Von S. Feist. Unter den mannigfachen Fragen, die durch das feindliche Aufeinanderprallen so vieler Völker eine neue Beleuchtung erhalten haben, steht auch das in den letzten Jahren viel erörterte Rasseproblem. Es ist wohl allgemein bekannt, daß es vornehmlich in Deutschland, in geringerem Umfang in außerdeutschen Ländern, eine Anzahl Forscher gibt, die den Keim des eigenartigen Kulturganges, den die Völker im Laufe ihrer Entwicklung eingeschlageh haben, in ihrer Rasseveranlagung suchen wollen. Sie erblicken in der Rasse ein über allem persönlichen Wollen stehendes unabänderliches Fatum, das den Individuen wie den Völkern mit in ihre Wiege gegeben ist und seine Wirkungen von der Urzeit der Menschwerdung bis auf den heutigen Tag ausübt. Die Anhänger der Rassetheorie kennen nicht nur die grossen Gruppen der weißen, schwarzen, gelben Rasse, der Austral-Neger, Indianer, u. s. w., sondern sie wissen auch innerhalb der weißen Rasse, die man bisher stets für eine somatische und bis zu einem gewissen Grade auch kulturelle Einheit gegenüber den farbigen Rassen anzusehen pflegte, verschiedene von einander scharf zu trennende Varietäten zu finden. So ist der »arische« Mensch streng von dem Semiten, der Finne nicht minder scharf von dem Kaukasier, der Baske von dem Türken usw. abzusondern. Für jede dieser Gruppen, die eigentlich auf rein sprachlicher Grundlage aufgestellt sind, werden nun bestimmte körperliche Merkmale a priori von den Rassetheoretikern festgestellt: die Arier sind hochgewachsen, hellfarbig, blauäugig, blondhaarig; die Semiten stellt sich der Rassetheoritiker als klein, dunkeläugig, schwarzhaarig vor. In dem »arischen« Typus (erblickt er den Ideal-Typus der Menschheit, dem gegenüber alle anders gebildeten Menschen mir