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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 2 · p. Seite 52

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 2
Article
Ein Feldpostbrief statt der Fortsetzung einer wissenschaftlichen Abhandlung
Date
1915-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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52 Ein Feldpostbrief statt der Fortsetz. ein. Wissenschaft!. Abhandlung. anderes einkaufen, so mußte man sich beeilen, denn schon um g Uhr etwa war alles weg. Mir gelang es noch, ein Weißbrot, ein Pfd. koscheres Gänsefett und ein Pfd. Zucker zu erwischen. Außerdem erhielt man noch eine Art Sandküchel, und eine Art Mazzes aus Nudelteig, natürlich ohne Eier, 25 cm im Durchmesser, I5—20 Pfg. das Stück. Unter dem oben erwähnten Pfund ist natürlich ein polnisches Pfund zu verstehen, was etwa 3/4 eines deutschen Pfundes ist. Während dann die christlichen Kameraden ihren Gottesdienst besuchten, resp. Vorbereitungen für den Weihnachtsabend trafen, ging ich noch einmal in die Stadt und auf den Markt, um die Lage der Juden etwas näher zu studieren. Die schlecht gepflasterten und schmutzigen Gassen, die aber elektrisches Licht aufwiesen, wimmelten noch von Soldaten aller Waffengattungen und von Juden; Polen sah man nur vereinzelt. Viele der Läden waren noch geschlossen, an manchen stand in schlechtem Deutsch angeschrieben: »Hier ist nichts zu kaufen«, oder »der Laden ist geschlossen«, »die Juden sind vertrieben«. Es war dies wirklich der Fall. 1000 jüdische Familien, so wurde mir gesagt, zählte Skiernewice, und kaum ein Viertel davon war anwesend. Als nämlich wir Deutschen vor etwa 2 Monaten uns von Warschau her zurückzogen und die Russen wieder in Skiernewice einzogen, da wurden die Juden von den Polen denunziert, sie hätten mit den Deutschen harmoniert — na, verdenken konnte man es ihnen wirklich nicht — hätten ihnen alles verkauft, ja für sie Spionage getrieben. Die Folge davon war, daß an einem Freitag alle Juden, selbst Frauen und Kinder, Kranke und Gebrechliche, die Stadt verlassen mußten und bis Bolimow, Wiskitki, Dscherdew, 40 Klm. weit fort getrieben wurden. Eine große Anzahl ist dabei auf dem Wege umgekommen. In ihrer Abwesenheit sind viele, viele Werte zerstört, viele Läden geplündert worden, die Synagoge, die ich leider nur von außen sehen konnte, soll im Innern halb zerstört, ja die Thorarollen zerrissen sein. Ein Gottesdienst findet noch heute nicht in der Synagoge statt. Besonders übel haben die Russen bei einem gewissen Wendland, den ich persönlich sprach, gehaust. Dieser,

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