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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 5 · p. Seite 577

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 5
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 577 (sequence 16)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 577 tun, als ob es nur um lange Nasen und krumme Rücken ginge.« »Es ist,« sagt Bacher, »was den Meisten am störendsten erscheint. Die innerlichen Merkmale (die langen Nasen und krummen Rücken sind demnach allen Juden erb- und eigentümlich) einer durch langjährige Sklaverei zurückgebliebenen Kultur teilen die Juden mit sehr vielen Christen. Und wenn die, die schon am längsten in der Sonne stehen, anstatt Fahnenflüchtige zu werden, die Führer ihrer Rasse werden wollten, wir könnten in einem ganz neuen Sinne wieder die Auserwählten werden.« Rudolf stöhnt auf: »Wehe der Welt, die wir zu unserem Rationalismus bekehren würden!« Mit Recht fährt Bacher auf: )»Kommen Sie mir auch mit dieser antisemitischen Behauptung? Wir sind nicht phantasielos. Es ist im Gegenteil in uns ein starkes Pathos, ein Hang nach dem Unmöglichen zu streben.. Sie müssen es doch zugestehen, wir befinden uns in einer unwürdigen Lage. Wir sind verhaßt; wie sehr wir es sind, darüber sind wir uns noch lange nicht genug im klaren. Die aufrichtigen Leute, die uns in Zeitungen, auf den Gassen, in den Restaurants beschimpfen, das sind noch nicht die Schlimmsten. Die Schlimmsten sind die Freundlichen, die mit uns verkehren; sie verleugnen uns, sowie sie uns den Rücken drehen. Warum lassen wir uns das bieten? Warum schütteln wir nicht den Staub von unsern Füßen und verlassen eine Welt, in der man uns nicht will? Warum nehmen wir nicht unser Geld, das man uns so mißgönnt, unsere Zähigkeit, unsere Begabung und gründen uns ein Reich, in dem wir die Alleinherrschenden sind? . . . Es muß nicht gerade Palästina sein. Wenn der feste Wille dazu da ist, findet sich sicher auch in irgend einem andern Erdteil ein Platz für Kolonisten, die mit Reichtum, Inteil’genz und Körperkräften ausgerüstet sind. Von diesen drei Potenzen darf allerdings nicht eine fehlen, denn woran ich denke, ist kein Zufluchtsort für aus getriebene Proletarier, für die mag man eine andere Heimat Monatsschrift, 58. Jahrgang. 37

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