Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 576 (sequence 15)
- Language
- German
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576 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman »Mein Mitleid ärgert mich ja gerade. Wir müssen uns das gute Herz endlich einmal abgewöhnen. Ausgezeichnet wird sich das wieder machen. Vorn liest man in der Zeitung: fn den und den Lokalen duldet man keine Juden und wirft sie auf die Straße und hinten steht: Banquier Ehrenstein 2000 M, Gebrüder Lewy 3500 M.« Rudolf sagt ruhig: »Ich sehe darin keinen Widerspruch. Sie müssen eben immer wieder Eintrittsgeld bezahlen.« Und Bacher: »Sie können ruhig sagen : Wir, wenn Sie sich auch haben taufen lassen.« Das ist nun zwar nicht der Fall, aber wir wissen, Rudolf fühlt sich keineswegs als Jude. Wohl aber ist Voll, recte Feldstein, Christ geworden und glaubt sich dadurch dem Antisemitismus entzogen. Wieder meint Doktor Bacher, auch in Prag könne man das, wenn man sich zum Tschechentum bekenne. Voll sucht sich zu rechtfertigen. Ihn hätten keine unlauteren Beweggründe geleitet, seiner Überzeugung nach ließen sich Deutschtum und Judentum nicht vereinen. Wer sich dem deutschen Wesen nähere, sein Vaterland in Deutschland sehe, könne nicht gleichzeitig ein strenggläubiger Jude sein. (Das ist ein Sophistna, indem Volk und Glaube gleichgesetzt werden.) Ein Vaterlands- und Glaubensloser, wie es die meisten Juden sind (?), sei ein Zwitterding, das er verachte. Das geht auf Rudolf und da dieser mit Bacher allein ist und der Doktor ihm sagt: »Ich habe Sie anfangs auch für einen Renegaten gehalten«, erklärt er: »Diesen Ausdruck erkenne ich nicht an. Ich ehre jede echte Überzeugung, aber ich ehre auch das Recht, jede Überzeugung aufzugeben, und wenn ich ein Mittel wüßte, mich vom Judentum zu lösen« ... Bacher unterbricht ihn: »Da haben Sie das rechte Wort gesagt. Es gibt eben keines, weil es nicht das Bekenntnis ist, das uns verbindet, sondern die Rasse. Und eine Rasse, die die Natur (?) offenbar erhalten will, indem sie (?) erbarmungslos, wie um sie zu verhöhnen, alle Bemühungen der Assimilation zerstört.« Rudolf entgegnet gereizt: »Sie