Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 573 (sequence 12)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrbunderts. 573 nende, grübelnde Juden? Was wird eigentlich bezweckt? Die Fortsetzung dieser erquickenden Geschichte ist Rudolf und Kamilla. Roman v. Auguste Hauschner (der Familie Lowositz 2. Teil). E. Fleischel <ä Co. Berlin 1910. 373 S. Der Titel scheint mir insofern unrichtig gewählt, als man nach ihm annehmen sollte, es handle sich um das Verhältnis der. Geschwister zu einander, was jedoch keineswegs der Fall ist. Erzählt wird vielmehr von den Schicksalen der Beiden in Berlin, wohin sich zunächst Rudolf, wie wir gesehen haben, begeben hat. Wir finden ihn in dem Redaktionsbureau der Theaterzeitung, die Dr. Ehrenthal herausgibt, derselbe Ehrenthal, der seinerzeit in Prag Hermine Klauber geheiratet hat, die Jugendliebe Rudolfs, ein kokettes hübsches, verdorbenes Wesen. Rudolf verehrt Bismarck trotz dessen Antisemitismus, den er so recht eigentlich geschaffen hat. Ehrenthal ist selbstverständlich ein Redakteur, dem das Geschäft vor die Wahrheit geht, während Rudolf ebenso selbstverständlich wie immer für Freiheit, Wahrheit und Recht kämpfen möchte. In Berlin finden wir auch Rudolfs Mitschüler Otto Feldstein, der sich nun Otto, Voll nennt und Rudolfs Unterstützung sucht, da auch er Journalist werden will. Journalisten wollen ja alle Juden werden, insonderheit die Prager, wie sich der Leser aus Brods »Arnold Beer« erinnern wird. In Berlin finden wir auch Rudolfs Base, Ottilie Bär, verheiratet an Herrn Emil Samuel. Diese laden Kamilla zu sich ein. Kamilla nämlieh, deren Herz oder, sagen wir ehrlich, durch schlechte Romane verderbte Phantasie an dem hausbackenen Ehemann doch kein Genügen gefunden hat, ist unglücklich, und die Geburt eines Töchterchens hat ihre Schwermut, die an die Mutter erinnert, nicht bannen können. Um geheilt zu werden, soll sie in der Hauptstadt eine Zeit lang Musik, für die sie schwärmt, studieren. Da sie auch eine schlechte Mutter und ihr das Kind nichts ist, folgt sie der Einladung,