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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 5 · p. Seite 572

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 5
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 572 (sequence 11)
Language
German
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572 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman einem Schemei an der Erde, zerriß seine Kleider (acht Tage lang?) und bestreute sie mit Asche (??). Wie seine Vorfahren einst taten, als sie auf den Trümmern ihres zerstörten Tempels jammerten und weinten. Zu längst überwundenen, finsteren (?) Gebräuchen hatte das Unglück ihn zurückgeführt, als glaube er damit Gott zu versöhnen (s. o.), den Rachegott, dessen Zorn er so schwer auf seinem Haupte lasten fühlte.« Ich führe das wörtlich an, um zu zeigen, wie falsch die Gebräuche wiedergegeben werden und wie schematisch die Gefühle von Juden, Gefühle, wie sie s o eben nicht gefühlt und Gedanken, wie sie s 0 von europäischen Juden nicht gedacht werden. Wenige Tage später ist die Verstorbene ganz vergessen. Kein liebevolles Zurückversenken in die Vergangenheit führt die Hinterbliebenen besänftigend in die Zeit hinüber, der sie für immer fehlen sollte. Kein Bild mahnt an sie, ihr Name wird nicht genannt. Ob das wirklich jüdisch ist, überlasse ich der Beurteilung der Verfasserin und der jüdischen Leser ihres Buches. Ebenso wirklichkeitsgetreu ist der Vorgang bei der Trauung Herminens, einer Verwandten. Hier hört Rudolf das hebräische(!) »Ja«, sieht wie der fremde (!) Mann ihr den Ring ansteckt und den Bund mit einem Kuß (!) besiegelt, dessen Dauer der Heiligkeit der Stätte nicht angemessen ist. Aber das ist Schilderung jüdischer Sitten, u. zw. ganz realistische! Realistisch ist auch das Verhältnis aller Familienglieder za einander, die wie Hund und Katze mit einander leben, besonders Vater und Sohn. Dabei »war man nicht hartherzig im Hause Lowositz. Daß man Verwandte unterstützte und den jüdischen Gemeindearmen half, war selbstverständlich. Aber auch an Andersgläubige wurde jeden Freitag ausgeteilt«. Durchaus nicht anziehend sind auch die anderen Juden dargestellt. Wir sehen nur Schatten und ich frage: Muß das so sein? Erhalten wir auf diese Weise ein wirkliches Bild? Gibt es nur selbstsüchtige, kalte, rech-

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