Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 568 (sequence 7)
- Language
- German
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568 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman immer falsch gebrauchte Schlagwort!) uns so feindlich ist, wie es Tiere gibt, die sich im Naturzustand bekriegen und nur unter dem Zwang der Dressur vertragen. Das Gesetz kann uns gleiche Rechte geben, gewiß, gleichgestimmt kann es uns nicht machen. Das können nur die Menschen, wenn sie die Tierheit überwinden. In den Niederungen wuchern die Vorurteile«. Und der Doktor spricht von dem Einfluß, den das Beispiel großer und charaktervoller Persönlichkeiten auf ihre Zeitgenossen und die Nachwelt ausübte. »War doch der Mensch, der durch die Kraft seiner idealen Überzeugung den Strom des Weltlebens in ein neues Bett zu lenken wußte, war doch Christus ein Jude«. (Daß der Jude Christus und seine ideale Überzeugung mit dem historischen Christentum, wie es sich entwickelt hat, in sehr geringem Zusammenhänge steht, entgeht der Verfasserin, und sie macht als Jüdin, die sie ja wohl ist, nur ihre Verbeugung vor der landläufigen Ansicht, um ihre Befreiung von ihren Überlieferungen darzutun.) Der Name Christus wirkt auf den jungen Lowositz fast wie ein unpassendes Wort; er muß eine Scheu überwinden, um zu sagen: »Wenn die Juden Christus folgen wollten, müßten sie sich ja taufen lassen.« »Da haben Sie mich schlecht verstanden,« erwidert Dr. Markus. »Nicht von Geschäften habe ich gesprochen. Nur von der Reinheit der Gesinnung und von der Menschenliebe.« Nun mag Dr. Markus oder AugusteHauschner sehr gelehrt sein, die Bibel kennen sie nicht. Sie mögen etwa III. B. M. 19, 2 oder II. M. 19, 18 lesen und sie werden vielleicht daselbst etwas von Reinheit der Gesinnung und der Nächstenliebe finden. Aber nein! Der jüdische Dr. Markus holt das neue Testament und liest Rudolf aus den Evangelien vor. »Er war ein großer Mensch,« sagt er. Aus Rudolfs Herzen aber steigt die Glut der Schwärmerei in sein Gehirn. Der Name Christus scheint ihm ganz erfüllt von einem erhabenen Geheimnis. Weit hinten, wo die Erde sich mit dem Himmel eint, sieht er ein Kreuz aufgerichtet, sieht er die blutende Gestalt des