Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 566 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829859-2829865-2893231--41533-2893292- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
566 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman lassen kann, sittlich viel höher, als das Weib, ihr Geliebter und die Schwiegereltern. Vor allem besitzt er ein gutes, mitleidiges Herz. Einer armen Mutter zuliebe, hat er einen jungen Menschen in sein Geschäft aufgenommen. Musterhaft, jüdisch im besten Sinne ist sein Verhältnis zu seiner Mutter. Wie ihm Susanne, zur Rede gestellt, ihre Untreue gesteht, ruft er aus: »Warum mir das? Wofür straft man mich? Habe ich gegen meine Mutter mich vergangen? Habe ich für meine Schwester nicht gesorgt?« und wie Anschütz, Susannens Vater, ihm sagt: »Meine Tochter ist ein heißblütiges Geschöpf und verzogen; du bist ein riesig anständiger Mensch. Wie deine Mutter stolz auf dich sein könnte!« erwidert er: »Ich habe mich gefreut, daß sie das nicht mehr zu erleben brauchte.« Susanne kehrt wieder zurück und er findet nach wie vor, das Schönste für einen Mann bleibe doch, das Geld, das er verdiene, für seine Frau ausgeben zu können, wenn er es nicht etwa auch für Notleidende verwendet, wie z. B. den erbärmlichen Verwandten Heppner, als dieser sein Geld an der Börse verspielt hat. Die Väter Anschütz und Livland sind sehr gewöhnlicher Art, die beiden Mütter dumme Weiber. Alles in allem ein unerquickliches Buch, mögen auch die Gestalten dem Leben entnommen sein. Darstellung der Juden bei Auguste Hauschner und Richard Huldschiner. Sehr lebhaft an Max B r o d erinnert Die Familie Lowositz, Roman von Auguste Hauschner. Eg. Fleischei u. Co., Berlin 1908, 424 Seiten. Diese Prager Familie mit allen ihren Verwandten ist wirklich nicht geeignet, unsere Teilnahme zu erwecken; dafür ist sie zu alltäglich, denn ein überspannter, junger Student, ein hysterisches Mädchen, die Hauptpersonen, sind gewiß nichts Seltenes, ebenso wenig ihre Schicksale, die ohne jede dichterische Erhebung im gewöhnlichsten