Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 564 (sequence 3)
- Language
- German
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564 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman und er endet nach seinem moralischen und finanziellen Zusammenbruch, in dem er auch fremde Depots angegriffen hat, durch Selbstmord. Susanne kehrt auf die Bitten Sterns, der nie aufgehört hat, sie, wenn auch nach seiner Art, mehr sinnlich zu lieben, zu ihm zurück und führt nun wieder das Leben einer reichen Frau. Sie liebt ja nicht, läßt sich nur lieben. Gegen ihren dritten, d. h. auch ersten Mann wird sie jetzt gut, aufmerksam und voll Anteils, und Stern, der leicht über das hinweg gekommen ist, worüber ein Mann nach Hebbel nicht hinwegkommen kann, darf zufrieden sein; seine Frau ist ihm jetzt völlig sicher. Warum es eben Juden sein müssen, weiß ich allerdings nicht. Oder wechseln gerade bei den Juden die Weiber ihre Männer, wie man etwa Wäsche wechselt? Sehen wir uns die Darstellung der Charaktere an! Da ich keine ästhetische Abhandlung schreibe, auch nicht über den scheinbar so tiefgründigen, prosaisch ausgedrückt, unverständlichen Phrasenschwall moderner Kritiker verfüge, so will ich sie bloß in einfachen Worten untersuchen. Es sind alltägliche Menschen — vielleicht ist das ein Vorzug — so nüchtern als möglich, keiner erhebt sich über den tiefsten Durchschnitt, keiner ist besonders gut, keiner auch schlecht, etwa mit Ausnahme der Heldin selbst, die keineswegs an ihre keusche Namensschwester aus den Apokryphen, die Tochter des Helkias, erinnert. Die richtige Pensionsgans, hat sie mit zwanzig Jahren den sechzehn Jahre älteren Stern geheiratet. Ihre eigene Mutter hat sie in ihrer Brautzeit mit einem Male künstlich sinnlich gemacht, nachdem sie sie so lange von allem zurückgehalten, damit sie in ihrem Zukünftigen den Mann und bloß den Mann finde. Ihr Ideal sind nur schöne, kostbare Kleider, sie will bewundert sein und kokettiert nach allen Seiten, im Bewußtsein ihrer körperlichen Schönheit steckt sie voll Sinnlichkeit und unkeuscher Gedanken. Ich weiß wieder nicht, ob das ausschließlich Eigen-