Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 563 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Darstellung der Juden im deutschen Roman etc. 563 und die Mutter; sie alle leben im innigsten Einvernehmen. Wir finden wieder eine große Judengemeinde von meist armen Dorfgehern und wenigen Wohlhabenden, die sehr wohltätig sind, und ein außerordentlich ideales, wunder* schönes Judenmädchen Mirjam. Paul vertritt den jungen Hartenstein. Wie dieser vorher religiös, überdies, und das ist neu, auch national völlig gleichgiltig, fühlt er sich endlieh doch zu seinem geplagten, verfolgten Volke gehörig und spricht nun bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit seine Ansichten über Juden und Judentum aus, die allerdings meist richtig sind. Nur findet er, durch die Tat- Sachen belehrt, daß an ein friedliches Zusammenleben nicht zu denken sei. Warum, wird allerdings nicht gesagt. Es müßten ja gerade nicht Aristokraten und dazu verlumpte sein. Das einzige Heil sei der Zionismus. Zuletzt taufen sich alle Tulpentals, während Paul die große Weihe als wahrer Jude empfängt und nur Gräfin Mary nach dem Todessturz ihres Gemahls eine ganz unvermittelte Sinnesänderung durchmacht. Darstellung der Juden hei Martin Beradt. Ganz unter Juden, wie bei Max Brod, spielt sich ab Eheleute, Roman v. Martin Beradt. 2. Aufl. S. Fischer. Berlin 1910. 483 S. Die Geschichte ist ziemlich einfach. Susanne, die Frau des Herrn Leopold Stern, wird ihres ungeliebten Gatten, trotzdem daß er sie mit allen Annehmlichkeiten des Lebens überhäuft, satt. Ihrer Natur nach von unbändiger Sinnlichkeit, erinnert sie sich eines Jugendbekannten, den sie früher etwa nach Backfischart geliebt hat, geht zu ihm, gibt sich ihm hin, läßt sich von ihrem Mann, dem sie ein Mädchen geboren hat, scheiden und heiratet den Geliebten, den Referendar und späteren Rechtsanwalt Albert Livland. Albert kann sie nicht, wie sie gewohnt ist, erhalten; es tritt, sonderbarer Weise mehr von seiner Seite, Entfremdung ein, 36*