Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 546 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829859-2829865-2893230--41512-2893272- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
546 Das Königlich Wcsiphälische Konsistorium der Israeliten. lichkeit bewiesen. Die Trauung durch den Oberrabbiner verursache ungeheure Kosten. Das junge Paar werde »schon am Hochzeitstage zu Bettlern werden«1). Eine ganz natürliehe Folge davon werde es sein, daß die weniger vermögende Klasse der Israeliten dem Ehestande entsagen müsse. Die Bevölkerung werde dadurch verringert, und, da jetzt die Israeliten ebenfalls zur Verteidigung des Vaterlandes verpflichtet seien, dem Staate auch in militärischer Hinsicht ein großer Nachteil zugefügt. Solchen Widersachern gegenüber konnte Steinhardt der Sieg nicht schwer werden. Seine Antwort an die Regierung ist in durchaus würdigem Tone gehalten und stellenweise von überlegenem Humor durchweht. Nach eingehender Begründung der Notwendigkeit des geistlichen Standes weist er aus den außerordentlichen Schwierigkeiten, die die Zeremonial- Satzungen des Judentums dem Laien bieten, die unbedingte Notwendigkeit der Bestellung von Rabbinern nach. Freilich sei die öftere Verkündigung des lebendigen Gottes- Wortes in der Art christlicher Prediger eine schönere Tätigkeit, aber auch zu ihr sei er verpflichtet. »Nicht Ceremonie bloß ist ihr Beruf, sondern entstehend e Streitigkeiten beizulegen, durch Predigten dasVolkzu belehren2). Auf Reisen, zu denen oft Gelegenheit ist, auch dem übrigen Theil des Sprengels beizustehen in Rath und Lehre, und vor allem die Aufsichtüber die j ü dis c h en Schulan stal ten.« So fehlen denn auch nirgendwo in Deutschland Rabbiner. In Waldeck, Lippe und Bielefeld8) befinden sich Unterrabbiner. x) Dabei gehörte Neuenkirchen nach Steinhardts Angabe zu den reichsten Gemeinden im Lande. ף Vgl. oben S. 185 und 473. *) Bielefeld war der Sitz des Ravensberg’schen Oberrabbiners M. Friedheim, der ganz ähnliche Schicksale zu erdulden hatte, wie Steinhardt. Ein geborener Preuße, stand er, wie er selbst angibt, mehrere Jahre als Rabbiner in Cassel (vielleicht als Rabbinatsadjunkt und Rosenbachs Vorgänger) und wurde 1810 vom Konsisto-