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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 5 · p. Seite 538

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 5
Article
Die jüdischen Realschulen Deutschlands
Date
1914-01-01
Page
Seite 538 (sequence 26)
Language
German
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538 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. Wir haben in Vorhergehendem versucht, in möglichst objektiver Einzeldarstellung Vergangenheit und Gegenwart derjenigen Schulanstalten höheren Grades zu schildern, die heute in Deutschland (resp.in deutscher Sprache) jüdische Ziele verfolgen und öffentlichen, jüdischen Charakter tragen. Wollen wir jetzt kurz zusammenfassen, so müssen wir als selbstverständlich vorausschicken, daß alle 7 Schulen ihre dritthalbtausend Zöglinge stets mit patriotischer Begeisterung in den Dienst der deutschen Kultur stellen: Treue zum Vaterlande, Anhänglichkeit an den Herrscher gehören seit den Prophetenzeiten zu den traditionellen Attributen der jüdischen Schule. In richtiger Erkenntnis der realen Bedürfnisse, die dem Judentum vorzüglich in den Reihen des gebildeteren frei erwerbenden Bürgertums seine Stelle anweisen, haben Erfolge aufzuweisen hatte. Dr. Mayer Jung begründete 1893 sein erstes jüdisches Gymnasium in Ungarisch-Brod (Mähren), dessen junger Rabbiner er damals war. Mit einigen geringen Legaten und von einem bescheidenen Schulverein unterstützt, eröffnet© er seine Anstalt für 20 mährische Schüler. Aber wegen innerer Gemeindekoüflikte mußte er sie im zweiten Jahre ihres Bestandes schon wieder schließen. 1903 trat sie wieder ins Leben, diesmal mit mehr Glück aus Ungarn und Osteuropa wurde die Schule jährlich von 60—80 Schülern besucht, die im nahen Kremsier ihre Prüfungen ablegten. Trotzdem die Wiener Kultusgemeinde, sowie der Frankfurter Hilfsverein sie regelmäßig subventionierten, mußte sich die Schule in Ermangelung genügender Hilfsquellen auflösen, als Dr. Jung im Vorjahre als Rabbiner nach London berufen wurde. Hatte er doch einen Teil des Defizits bisher uneigennützig aus Eigenem gedeckt! Mehr Glück hatte Dr. Jung in Storozynetz, einem Städtchen der Bukowina, wo das von ihm 1905/6 ins Leben gerufene Realgymnasium 1910 in die Verwaltung der isr־ Kultusgemeinde überging, Öffentlichkeitsrecht erhielt und heute 137 Schüler, Deutsche, Polen, Rumänen undRuthenen, darunter 113 Juden beherbergt. Durch diesen Erfolg angeeifert, machte Jung im nächsten Jahre in Krakau den Versuch mit einer Oberrealschule, aber am energischen Widerstand der Chassidim scheiterte die Sache, ebenso die geplanten Mittelschulen n Lemberg und Stanislau. 1911/12 gründete der unermüdliche Agitator in Wien einen Verein »Jud. Mittelschule«, der zwar bis heute existiert, aber seit dem Wegzuge Jungs des Führers entbehrt.

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