Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 539 (sequence 27)
- Language
- German
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Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 539 sich die Erhaltungskorporationen der jüdischen Schulen ausnahmslos für den Schultypus der Realschule entschieden, die auf modern sprachlicher Grundlage fürs praktische Leben vorbereitet. Alle hier behandelten Anstalten genießen Öffentlichkeitsrechte, unterstehen nicht bloß der Oberaufsicht der betreffenden bundesstaatlichen Schulbehörden, sondern schmiegen sich auch in Betreff des Lehrzieles, Lehrplanes und Lehrstoffes vollständig der vorgeschriebenen Norm an. Trotz der in Deutschland allgemein gestatteten größeren Bewegungsfreiheit sind die Abweichungen vom Normalplan stets geringe, von eigenen paedagogischen Konzeptionen oder Versuchen ist natürlich nirgends die Rede. Ein symptomatisches Zeichen dafür, wie ängstlich die Schulen im profanen Unterricht jede Betonung ihres jüdischen Charakters vermeiden, erblicke ich darin, daß sich unter sämtlichen mitgeteilten deutschen Aufsatzthemen kein einziges befindet, das nur im entferntesten jüdischen Inhaltes oder Interesses ist, obwohl die Heranziehung fremder Disziplinen eben hier nichts unerlaubtes oder ungewohntes wäre. Ebenfalls aus dem öffentlichen Charakter der Schulen folgt, daß sie prinzipiell auch nichtjüdische Schüler anneh״ men; in der Tat freilich ist deren Zahl — die Jacobsonschule ausgenommen — eine verschwindend kleine: einschließlich der Leipziger 4 Adventistenkinder, die den Sonnabend feiern, beträgt ihre Zahl kaum 20. Größer ist der Prozentsatz der christlichen Lehrer, die an sämtlichen Anstalten Anstellung fanden und finden, woran wohl nicht bloß der Mangel an genügend vorgebildeten jüdischen Kandidaten Schuld sein kann. Wie uniform sich also die Schulen gleichsam nach Außen hin zeigen, so interessante, teilweise tiefgehende Unterschiede offenbaren sich uns, sobald wir den inneren, speziell jüdischen Geist der Schulen miteinander vergleichen, dessen prägnantesten Ausdruck wir in der verschiedenen Intensität und Extensität des hebräischen und Religionsunter-