Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 537 (sequence 25)
- Language
- German
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- Seesen 1× ep/1048106
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Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 537 Dr. Waldstein-Altona und Schuldirektor A. Lehmann-Leipzig, also in erster Reihe Schulmänner, denen wohl ein großer Teil des Verdienstes zuzuschreiben ist, daß die Schule so glatt von der Religionsschule zur profanen übergehen konnte. Der Religionsunterricht ist übrigens auch jetzt ziemlieh reichlich mit Stunden bemessen; es finden sich Klassen mit 6--7 obligatorischen -j- 2 fakultativen Stunden, doch kommt Mischna und Talmud — der Vorbildung der Schüler entsprechend, — vorläufig bloß einführungsweise vor. Der hebräische Sprachunterricht wird ziemlich energisch bis zur Technik des hebräischen Briefstils betrieben, (sogar die Mädeben lernen Grammatik), die Bibellektüre wird zum Teil priva^ tim (häuslich) durchgenommen, nachdem die Schüler an das selbständige Präparieren und Benützen der Kommentare gewöhnt sind. Ebenso sehe ich hier zum erstenmale die pädagogisch recht lobenswerte Sitte, daß das im Religionsunterricht gelernte auch in mündlichen Vorträgen und schriftliehen Aufsätzen der Schüler verwertet wird. Im weltlichen Lehrplan finden wir neben den Gegenständen der sächsisehen Realschule und höheren Töchterschule 10 fakultative Lateinstunden, da die Schule bifurkativ, wie in Seesen, auch das Lehrziel des Realgymnasiums verfolgen will. Da Direktor Carlebach mit der Zeit außerdem die Einrichtung eines Internats für auswärtige Schüler ins Auge gefaßt hat, so ist vorauszusehen, daß seine Schule nicht bloß durch Verbreitung von jüdischem Wissen und Denken wohltätig wirken, sondern durch Assimilation des Leipziger Ostjudentums auch eine Kuiturmission erfüllen wird1). *) Von einer ähnlichen Mission träumte ein anderer Fanatiker des jüdischen Schulwesens, ein Mann von apostolischer Arbeitsfreudigkeit und Hildesheimer’schem Optimismus, der in der österr.- ungarischen Monarchie die konservative, jüdische Mittelschule einbürgern wollte, aber ohne genügenden Hinterhalt nur mittelmäßige