Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 535 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829859-2829865-2893229--41500-2893261- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 535 zusammen also 304 Zöglinge zuführte? Woher besonders jene innere Festigkeit und Sicherheit, die in keiner Weise den Eindruck einer jungen, mit den Schwierigkeiten des Anfangs kämpfenden Anstalt aufkommen läßt? Im Lehrkörper befinden sich 22, meist akademisch vorgebildete Lehrer und Lehrerinnen, Juden und Christen, der Lehrplan, trotz der behördlich geforderten zwei vollständigen Ruhetage in der Woche, fest eingehalten, der Lehrstoff bis in die Details ausgearbeitet. Im Schulprogramm aber fungieren Jugendgottesdienst, Schulfeste, freiwillige Übungskurse ebenso, wie regelmäßige Wochenausflüge, Wetturnen, Turnspiele, ja es gab hier — horribile dictu — Pfadfinder mit ritueller Abkochung! Wer oder was hat diesen überraschenden Resultaten vorgearbeitet? Wahrlich, auch diese Leipziger Schule ist nicht über Nacht gleich Pallas in fertiger Rüstung zur Welt gekommen, eher wäre sie Lethonen zu vergleichen, die jahrelang warten mußte, ehe sie auf unfruchtbarem, steinigem Boden Grund fassen konnte. Wovon der Jahresbericht zwar nicht spricht, dessen Zeuge ich aber seinerzeit persönlich gewesen bin, entwickelte sich nämlich diese Höhere Israelitische Schule aus einer Religionsschule, die schon seit 12 Jahren unter Carlebachs Leitung hier im selben Milieu segensreich wirkte. Wir finden denn auch in der Rubrik der bisherigen Wirksamkeit der Lehrer die Talmud-Tora-Religionsschule mehrfach erwähnt. Ebenso erklärt sich die Verschiedenheit der Schulgattungen, aus denen sich die erste Schülerschar rekrutiert. Eine andere, sonst ungewohnte Statistik über den Geburtsort der Schüler zeigt uns hingegen den charakteristischinteressanten Tatbestand, daß von 225 Knaben 81, von 79 Mädchen 28; also mehr als 1/s sämtlicher Schüler im Aus-!and geboren wurden; ihre Eltern zogen erst im letzten Jahrzehnt, meist aus Rußland nach Leipzig. Zum Teil solche, zum Teil aus Süddeutschland stamrnende Familien waren es, die im Herbste 1900 den dama-