Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 529 (sequence 17)
- Language
- German
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Die jüdischen Realschalen Deutschlands. 529 zählenden Industriestadt Fürth i/B., deren jüd. Gemeinde aber durch ihre ehemalige Jeschiba weit und breit bekannt war. Zur Zeit freilich lag der hebräische Unterricht an den öffentlichen, sowie an den Privatschulen der Stadt ziemlich stark in Argem, besonders die konservativen Familien waren damit unzufrieden. Im erwähnten Jahre geschah es nun, daß der Kultusgemeinde ein Projekt vorgelegt wurde, zwei kapitalsschwache Privatanstalten miteinander zu verschmelzen und durch Subventionierung, »durch Ermäßigung der Preise, sowie durch umfassenden Religionsunterrieht« sie allen Kreisen der Bevölkerung zugänglich zu machen. Der Plan wurde vom Vorstand genehmigt, der Beitrag gewährt, mehrere Freiplätze gesichert, gleichzeitig aber die eigentümliche Bedingung gestellt, daß die Schule keine konfessionelle, ausschließlich jüdische sein sollte. Gegen diesen Gemeindebeschluß, der die in ihren Erwartungen getäuschten, gesetzestreuen Mitglieder der Gemeinde für ihre Zwecke nicht viel Ersprießliches erwarten ließ, erhoben zwei Mitglieder des Verwaltungsausschusses im Namen einer Minorität Protest1). Gleichzeitig erließen einige opferfreudige Männer der Gemeinde einen Aufruf zur Gründung einer neuen Knabenschule, in der »unbeschadet aller zeitgemäßen, gemeinnützigen Kenntnisse ein gründlicher Religionsunterricht aus der Heiligen Schrift mit Raschi-Kommentar, den Befähigten auch in Mischna und Talmud erteilt werden soll.« Die erste Subskriptionsliste ergab eine Summe von 3975 fl., die von 55 Zeichnern zugesagt wurde, — wirklich nicht zu viel Geld! — Dementsprechend zahlten die Unternehmer auch für das erste Schullokal nur 130 fl. Miete, und das Jahresgehalt des ersten Direktors, des Sohnes und späteren würdigen Nachfolgers des berühmten Halberstadter Rabbiners, x) Die neue »höhere Privatschale« trat 1862 trotzdem ins Leben and wurde einige Jahre später mit der städtischen Lateinand Realschule verschmolzen. Monatsschrift, 58. Jahrgang. 34