Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 526 (sequence 14)
- Language
- German
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526 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. Knabenschule nebst 3 Vorschul־ und 6 Realklassen eine Selekta mit vorzüglichem hebräischem Unterricht (14 Stunden), sowie intensivem Betrieb der Handelsfächer (13 Stunden). Ebenso ist dem zehnklassigen Mädchenlyzeum ein Oberlyzeum angegliedert, das in 2 Kursen einerseits Haushaltungslehre, Pädagogik unterrichtet und fürs Examen der Kindergärtnerinnen vorbildet, andererseits für den Handelserwerb vorbereitet, während Englisch, Italienisch, Kunstgeschichte, Hygiene für sämtliche Schülerinnen wahlfrei ist. 1881 siedelte die Anstalt mit bereits 478 Schülern in das am Rande des Tiergartens gesund gelegene, neue Schulgebäude über, dessen Kosten zum großen Teile von den konservativ gesinnten Förderern der Religionsgesellschaft, Freiherrn und Freifrau Wilhelm Carl von Rothschild gespendet wurden. Seither nahm die Schülerzahl noch weiter zu und betrug am Ende des letzten Schuljahres: 129 -f 229 358 ־=־ Knaben und 68 -f 155 223 Mädchen. Sie sind zum überwiegenden Teil Ortszuständige1) und bis auf 1—2 Ausnahmen Juden, so daß die Unterrichtsanstalten der Religionsgesellschaft, ihre Fortbildungskurse miteingerechnet, bereits die Frequenz des Philanthropins erreicht haben. Wie letzteres Vorbild und Zentrum der liberalen Schulen geworden, so hat diese Anstalt die Führerrolle innerhalb der strengen, separatistischen Orthodoxie inne, deren pädagogisch tätige Leiter meist hier ihre Studienjahre verbracht haben. Auch in materieller Hinsicht ist die Schule, die nebst Freischüler- und Fortbildungsstiftungen, sogleich im 2. Jahre ihres Bestandes eine Witwen- und Waisenkasse, sowie Pensionsfonds für Lehrer ins Leben rufen konnte, heute wohlbegründet als Rivalin der Gemeinderealschule *) Eben während meines Dortseins unternahm der bekannte Anthropolog Dr. S. Weissenberg-Elisabethgrad Schädelmessungen an der Jagend beiderlei Geschlechtes, die, seinem Ausspruche nach, den möglichst reinsten »aschkenasisch-jüdischen« Typus darstellt, sofern nämlich Vater und Mutter aus Süddeutschland stammen.