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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 5 · p. Seite 525

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 5
Article
Die jüdischen Realschulen Deutschlands
Date
1914-01-01
Page
Seite 525 (sequence 13)
Language
German
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Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 525 jeder Gegenstand und jede Unterrichtsstunde fürs Leben, zwar nicht für Beruf und Broterwerb allein, sondern für das vom Diktat des Sittengesetzes regierte Leben, dessen »Heiligung« eines der Lieblingsbegriffe Hirsch’ ist. Zweck ist nicht »Juden und doch Menschen«, sondern »Juden und dadurch Menschen« zu erziehen. Denn gleichwie das Gesetz der Tora alle Regungen des Geistes nicht minder, ais alle sinnlich-körperlichen Triebe umfaßt, so sind auch im Begriffe des vollkommenen Juden alle Erkennungs- Zeichen des vollkommenen Menschen mitinbegriffen. Neben dieser Beständigkeit des Erziehungsprinzipes, das nach dem Rücktritte Rabb. Hirschs von 1877 bis 1900 durch seinen Sohn Mendel Hirsch vertreten wurde, tritt die äußere Geschichte der Anstalt, ja sogar ihre innere Ent- Wicklung in die zweite Reihe des Interesses. Die Schule, die von Anfang an eine einheitliche Erziehung ihrer Zoglinge vom 6.—15. Lebensjahre vorsah, mußte sich nach der Einverleibung Frankfurts natürlich den preußischen entsprechenden Lehranstalten anpassen, wurde 1867 gleich dem Philanthropin als Realschule 2. Ordnung anerkannt und dem königlichen Provinzialkollegiurn unterstellt Vorläufig behielt sie noch die 7. Realklasse bei, die aber auch hier nicht populär werden konnte, bis sie 1892 gesetzlich aufgehoben wurde. Hingegen entwickelte die Schule zielbewußt schon früh das System der Fortbildungsklassen oder Selekten, um sowohl Knaben als Mädchen der traditionell gesinnten Kreise Frankfurts desto enger an sich und ans Judentum zu knüpfen1). Auch heute besitzt die Jubiläumsfeier des 5öjährigen Bestandes der Unterrichlsanstalten der Isr. Religionsgenossenschaft zu Frankfurt a. M. 1903.« 0 Trotzdem die Schule ohne weiteres auch Kinder von Nicht״ mitgliedern der Rdigionsgenossenschaft aufnimmt, wird innerhalb der Großgemeinde seit einiger Zeit eifrige Propaganda für die Errichtung einer neuen, traditionell geleiteten Realschule betrieben; jedenfalls charakteristisch für Frankfurt!

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