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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 5 · p. Seite 523

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 5
Article
Die jüdischen Realschulen Deutschlands
Date
1914-01-01
Page
Seite 523 (sequence 11)
Language
German
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Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 523 sehen, ethischen, ästhetischen Grundsätzen ans Judentum herantreten, um dieses dem Geiste, der wissenschaftlichen Überzeugung, den Kultusformen der Zeit anzupassen, will Hirsch das Judentum rein aus sich selbst heraus verstehen, erklären und verteidigen, ihm sind schriftliche Lehre sowohl, wie mündliche Überlieferung unbedingten Gehorsam erheischende Fakta, ihre Gesetze sind gleich den Naturgesetzen bloß zu erforschen, zu erläutern, niemals aber durch irgendwelche Überzeugungen abänderlich1). Auf dieser Grundlage versucht Hirsch die Erklärung von Israeis Pflichten — freilich oft in ganz individueller, auch symbolistischerWeise — in seinem »Chaurew«, dem bis heute autorativen Gesetzbuche der gesetzestreuen deutschen Judenheit. ln seinen Kommentaren zum Pentateuch und den Psalmen stellt er der »naturalistischen«, manchmal seichten Erklärungsweise Mendelssohns seine gedankenschweren, originellen, aus Talmud und Midrasch belegten Deutungen entgegen. Wie seine gern benützten Wortethymologien, aus denen er den Geist der Sprache und des Volkes herauszulesen suchte, mehr philosophischer als philologischer Natur sind, so lassen auch seine übrigen Schriften, in kerniger, gedrungener, manchmal wohl auch »sphynxartiger« Sprache vorgetragen — wie Grätz den Stil seines Lehrers Bernays nennt — überall den wissenschaftlich geschulten jüdischen Philosophen erkennen. Der jüdischen Weltanschauung, aber auch seiner eigenen Individualität entsprechend, mußte Hirsch die Erziehung der Jugend für die erste und wichtigste Aufgabe der Zeit halten. Und wirklich! kaum hatte er mit seinen l) »Wie in der Natur die Erscheinung als Faktum dasteht, wenn du sie auch noch nicht nach Qrund und Zusammenhang erkannt hast, ihre Existenz nicht durch deine Forschung bedingt ist, sondern umgekehrt, so stehen dir auch die Bestimmungen der Thaurdh als Gesetz da, hättest du auch noch von keiner Grund und Zusammenhang erforscht und deine Erfüllung ist nicht durch deine Forschung bedingt«. 19 Briefe, S. 105. Fußnote.

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