Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 520 (sequence 8)
- Language
- German
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520 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. dium in hebraicis stets einen hervorragenden Platz in ihrem Lehrplan eingeräumt. Die Zeiten sind zwar dahin, wo Bernays den vorgesehenen zehn Klassen 154 Wochenstunden im Hebräischen zuweisen konnte, wo noch in den Sternsehen Instruktionen eine Klasse mit 17 hebräischen Stunden möglich war, aber auch heute umfaßt der hebräische Unterricht obligatorisch 6 Stunden in jeder Klasse und 2 Stunden fakultativ. Gelehrt wird in ziemlichem Ausmaße Mischna, Talmud, die Liturgie bis in die Details der Pijjutim. Nur der Geschichtsunterricht scheint mir zu stiefmütterlich behandelt, und muß in manchen Klassen sogar in die wahlfreien Stunden hinabrücken. Die sonst den preußischen Lehrplänen angepaßte Schule, aus 6 Realschul- und 3 Vorschulklassen bestehend, hat derzeit nicht weniger als 7 Parallelcöten. Die Anzahl der Schüler betrug am 1. Februar 1913 in der Realschule 340, in der Vorschule 220, so daß die Talmud Tora an Frequenz als erste unter den jüdischen Knabenschulen rangiert. Christliche Schüler hat die Schule nie besessen. Der Heimat nach überwiegend von Hamburgern besucht, wird den Zöglingen ein gesunder, in Hamburg wohlbegründeter Lokalpatriotismus eingeimpft. »Seid fleißig und unverdrossen, nicht träumerisch, sondern wachsam, wägend und wagend, Menschen des Rates und der Tat!« ruft ihnen der Direktor in seiner Weiherede zu. Die Tüchtigkeit der Schüler scheint sich auch im Abiturientenexamen zu bewähren, das im Vorjahre von 27 Schülern (unter 28) mit gutem Erfolge abgelegt wurde. Dem Charakter der Schule, auch dem der Stadt entsprechend, werden die meisten Absolventen Kautleute, doch wenden sich neuerdings, — wie die Jubiläumsschrift bemerkt, — immer mehr Schüler den wissenschaftlichen Laufbahnen zu, als Beweis dafür, daß sich Glaubenstreue und starker Wille auch hier schon durchzusetzen vermögen.