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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 5 · p. Seite 519

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 5
Article
Die jüdischen Realschulen Deutschlands
Date
1914-01-01
Page
Seite 519 (sequence 7)
Language
German
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Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 519 Juden angewiesen, da sie sonst sehr große Schwierigkeiten finden« nicht entkräftet wurde. Jedenfalls gelang es der Talmud Tora ihren ursprüngliehen konservativen Standpunkt festzuhalten, konnte sowohl die Schulschöpfung der Reformer überleben, die 1852 ihren konfessionellen Charakter ganz ablegte1), als auch die der Orthodoxen, der bloß ein zehnjähriger Bestand beschieden war (1859—69). Bis heute »gehören die Schüler allen Gesellschaftsklassen an, da im allgemeinen die religiöse Richtung der Eltern sie zusammenführt«. Infolgedessen sind auch die materiellen Verhältnisse der Schule, die einen Jahresetat von 100.000 M. aufweist, recht konsolidierte, sie besitzt einen festen Stock von Gönnern und Freunden, so daß z. B. der letzte Jahresausweis ein Legat von 100,000 M. mit 8—9 Zeilen abmachen konnte. Die Jahrhundertfeier brachte ihr auch die Erfüllung eines alten Wunsches, eines brennenden Bedürfnisses: den Zentenarfonds zur Errichtung eines neuen Schulgebäudes, an dessen Zustandekommen wieder den alteingesessenen Warburgs der Löwenanteil gebührt. 1911 qezog die Schule in gedämpfter Feiertagsstimmung, — Präses und Vizepräses des Vorstandes sowie der Rabbiner waren knapp vor der Einweihung dahingegangen, — das neue Heim vor dem Dammtore, dessen Kosten mehr als eine halbe Million Mark betragen hatten. In Aufbau, Einteilung, auch hygienischen Einrichtungen erinnert der Bau uns oft an das Philanthropin; die charakteristische Nachbarschaft der Musterschule wird hier durch die Hauptsynagoge am Bornplatz ersetzt, die den Ein- und Austretenden stets mahnen soll: »Anfang der Weisheit ist die Ehrfurcht vor Gottl« Niemals hat die Talmud Tora-Schule das noblesse oblige ihres Ehrentitels außer Acht gelassen, hat dem Stul) Noch heute »Stiftungsschale von 1815« benannt, trägt sie den Charakter einer Simultan-Realschule, von deren 700 Schülern bloß 10—11% Juden sind.

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