Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 518 (sequence 6)
- Language
- German
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518 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. fürchtete. Je energischer letztere ihren Einfluß durch Ernennung und Delegierung von Vorstandsmitgliedern verstärken wollte, desto schroffer war die Antwort, hie und da kam es fast zum Bruche. Im Laufe der Zeiten milderten sich die Gegensätze: der Schulvorstand wurde, je mehr die Erträgnisse aus den Schulgeldern Zunahmen, immer selbständiger, und räumte der Gemeinderepräsentanz, die die jährliche Subvention seit 1897 bis auf 25,000 Mark erhöhte, freiwillig größere Rechte ein, die aber »Organisation und Leitung des gesamten Unterrichtswesens in keiner Weise beeinträchtigen dürfen«. Heute besteht der Schulvorstand aus 6 Mitgliedern, drei werden selbständig gewählt, auf die Wahl der übrigen kann die Gemeinde Einfluß nehmen, die auch den Präses aus ihrem Vorstand delegiert. Ferner gehört dem Schulvorstand gewohnheitsgemäß der konservative Rabbiner Hamburgs an. Während dieses über ein Jahrhundert andauernden »Autonomiestreites«, der eigentlich bis heute durch keine festen Statuten beendigt ist, und in dem beide Parteien eifersüchtig ihren Standpunkt wahrten, fiel u. a. auch eine interessante Entscheidung des sonst stets toleranten Bernays, die bei den späteren orthodoxen Schulen zum Prinzip erhoben wurde. Als sich bei Besetzung einer Lehrerstelle kein passender Kandidat strenggläubiger Richtung fand, kam Bernays auf den Gedanken, einen Christen vorzuschlagen und wußte ihn auch durchzusetzen, trotzdem der Jude von keinem geringeren Manne, als Dr. Gabriel RiesseT, dem Präses der Hamburger Gemeinde empfohlen wurde. Freilich bestrebte sich Bernays für seinen Vorschlag auch pädagogische Gründe anzuführen: »daß die Aussprache eines völlig Fremden dem nachlässigen Dialekt entgegenarbeiten, daß die Erscheinung eines Fremden dem Benehmen der Knaben einigen Zwang auferlegen und auf die Disziplin wohltätig einwirken werde.« Womit jedoch der Einwurf des einen Abgewiesenen: »Die Juden sind auf die