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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 4 · p. Seite 507

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1914-01-01
Page
Seite 507 (sequence 3)
Language
German
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Besprechung. 507 einen sozialen Aufschwung, daß der weibliche Teil des jüdischen Mittelstandes in immer erhöhtem Maße gezwungen ist, sich dem Erwerbsleben zu widmen? Die Annahme des sozialen Aufstieges der Berliner Judenschaft kann, gelinde ausgedrückt, als strittig angesehen werden, es kommt nicht bloß auf die Ätzte; Rechtsanwälte, Publizisten und dergleichen an, die trotz ihres Judentums eine hervorragende Rolle im Berliner Oesellschaftsleben spielen und schon im Anfang des 19. Jahrhunderts gespielt haben, sondern auf die Struktur des gesamten jüdischen Wirtschaftskörpers. Wie verhält es sich mit der Annahme Theilhabers über das wirtschaftliche Aufsteigen der Berliner Juden? Hier kommen uns die von Theilhaber gebrachten Tabellen über den Volkwohlstand der Berliner Juden zu Hilfe. Nicht darum handelt es sich, den Beweis zu erweisen, daß das Durchschnittgeinkommen der Berliner Juden höher ist, als das der Berliner Gesamtbevölkerung, sondern es gilt, die Behauptung von dem wirtschaftlichen Aufsteigen der Berliner Judenschaft zu erweisen. Wenn Theilhaber die Relativzahlen seiner Tabellen einer Besprechung unterzogen hätte, könnte er dann seine Annahme von einem Aufstieg der Wohlhabenheit der Berliner Judenschaft aufrecht erhalten? Nach der Tabelle XV in der Theiihaberschen Schrift partizipierten an dem Einkommeusoll in Berlin die Juden im Jahre 1892 mit 32,5 Prozent, ein Satz der für 1905/1906 auf 30,8 Prozent gefallen Ist, und die Anteile der Steuerpflichtigen, die auf die Juden entfallen, sind seit 1895 um 2 Prozent zurückgegangen. Es ist hier nicht der Platz, weiter darauf einzugehen, aber es scheint, als ob Theilhaber an der Hand des absoluten Einkommens zu seiner Behauptung gekommen ist, ohne nachzuprüfen, wie sich im Laufe der Jahre der Wert des Geldes gemindert hat; er behandelt, ähnlich wie Sombart, die Einkommensverhältnisse der Juden, ohne deren gegenwärtige berufliche Gliederung und soziale Schichtung, namentlich aber die Wandlungen derselben, zu berücksichtigen. Wenn aber Theilhabers Beweismethode, aus dem sozialen und wirtschaftlichen Aufsteigen der Berliner Juden auf die Schädigung der Rasse zu schließen, angreifbar ist, und seine Beweismittel, weil sie de facto nicht erbracht sind, als ungenügend anzusehen sind, so läßt sich an dem wirklichen Zahlenmaterial Theilhabers über die geringe Fruchtbarkeit der Berliner Juden nicht rütteln. Das Bild, das Theilhaber aus dem Mosaik seines Tabellenwerkes zusammensetzt, entspricht der Wirklichkeit und entrollt die tatsächlichen Verhältnisse. Danach bleiben unter den Berliner Juden ein Viertel ehelos und ein weiteres Viertel kinderlos. Von der knappen Hälfte der Bevölkerung, die sich vermehrt, haben fast zwei Drittel nur ein oder zwei Kinder und nur ein Drittel mehr als diese; d. h. die Hälfte der ganzen jüdischen Bevölkerung

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