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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 4 · p. Seite 508

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1914-01-01
Page
Seite 508 (sequence 4)
Language
German
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508 Besprechung. kommt zeitlebens für die V e r m e h r u n g überhaupt nicht in Frage, sie ist total unfruchtbar; mehr als ein Viertel liefert einen viel zu geringen Zuwachs und nur ein Viertel liefert die Kinderzahl, die einer gesunden Bevölkerungsvermehrung entspricht. Die Natalität der Berliner Judenschaft beträgt heute die Hälfte der alten Fruchtbarkeit; in Berlin entfielen in den Jahren 1816 bis 1820 auf 1000 jüdische Einwohner 27,0 Geburten, seit 1880 ist dieser Millesatz auf 26 gefallen und in den letzten 20 Jahren, in denen sich die jüdische Bevölkerung Berlins fast verdoppelte, stetig gesunken und im Jahre 1911 auf 14,6 zurückgegangen. Die jüdische Bevölkerung Berlins hat sich in den letzten 35 Jahren um 102 Prozent gesteigert, die der eheschließenden um 100 Prozent, die der Geborenen dagegen um 11,1 Prozent verringert. Der Grund hierin mag, wie mit Recht Theilhaber annimmt, nicht an der physischen Entartung der jüdischen Bevölkerung der Reichshauptstadt liegen, dagegen spricht die günstige Sterblichkeits- und Krankheitsstatistik, sondern Unlust und berechnender Wille dürften die Resultate des Zeugens hintanhalten. Diesen Ursachen haben nicht die Lehren der jüdischen Religion, nach denen frühe Heirat und reicher Kindersegen als besonders gottgefällig anzusehen sind, besondern Vorschub geieistet, sondern vor Allem tritt dabei das großstädtische Milieu mit seinem Hasten und Treiben in den Vordergrund, dem sich das Judentum nicht entziehen konnte und wollte. Im Gegensatz zu der allgemeinen Bevölkerung tritt noch hinzu, daß der Jungbrunnen für die Volksvermehrung, das platte Land, bei den Juden dem Versiegen nahe ist, denn eine Entvölkerung sondergleichen ist in diesen Gebieten unseres Vaterlandes eingetreten, die einen Nachschub nach der großen Stadt ausgeschlossen erscheinen läßt. Doch bei Betrachtung der jüdischen Bevölkerungsverhältnisse darf nicht außer Acht gelassen werden, daß wir in Übergangsverhältnissen leben. Der wirtschaftliche Umschwung vom Agrarin den Industrie- Staat hat eine Binnenwanderung und einen Zustrom der Juden nach den Großstädten veranlaßt, ohne daß im Großen und Ganzen sich die jüdische Gemeindeverwaltung den neuen Verhältnissen in gleichem Maße hat anzupassen verstanden. Äußerlich betrachtet, kann die jüdische Großgemeinde Berlins und seiner Vororte auf ihr Wachstum stolz sein, die Macht- und Prachtentfaltung ist gestiegen, aber damit hat die innere Entwicklung des Gemeindelebens nicht gleichen Schritt gehalten. Mit veralteten Gesetzen wird gewirtschaftet, und die straffe Zentralisation, die vor fünfzig Jahren angebracht war, hat eine Indolenz und Gleichgiltigkeit gezeitigt, die die jüdische Gemeinschaft gefährdet, wenn nicht gar zunichte macht. Trotz des engen Zusammenlebens der Berliner Juden in der Millionenstadt ist eine gesell-

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