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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 4 · p. Seite 502

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 502 (sequence 20)
Language
German
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502 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Mut oder mehr noch an Selbstvertrauen. Es ist eine Eigentümlichkeit meiner Rasse (schon wieder das schreckliehe Wort!), daß ihr bloß der Reichtum Selbstvertrauen gewährt. Sie lärmt zwar bei jeder Gelegenheit und benimmt sich häufig aufdringlich, allein das ist bloß der Mut der Feigheit, wie Kinder im Finstern lärmen und singen, weil sie sich fürchten.« Den Gegensatz zu ihm bildet sein Bruder Raoul, ein Geck und Modemensch und Sybarit, der sichs beim Gelde des Vaters wohl sein läßt, aber sonst nichts ist als wirklich feig und würdelos und bei einem Ehrenhandel schimpflich auskneift. Noch immer aber gibt der alte Hartenstein seinen Plan nicht auf. ln einem Familienrate sucht er Heinrich doch zur Taufe zu bewegen. Bei dieser Gelegenheit wendet sich die nun schon sehr aristokratische Gräfin Ludomirski an den Bruder: »Papa, du und Raoul, gehört (!) einem Stamme an, der seit vielen Jahrhunderten den Prügeljungen aller Völker bildet. Wo der Jude erscheint, begegnet er Spott, Verachtung und Verfolgung ... Willst du aus bloßem Starrsinn bei diesem abscheulichen Volke verharren?« »Liebe Charlotte,« erwidert Heinrich, »dieses abscheuliche Volk ist mein Volk, mein geliebtes Volk, an dem ich mit allen Fasern hänge.« Der Vater will den Widerspenstigen enterben. Auch das schreckt ihn nicht; dann will er in die Welt gehen und versuchen, sich sein Brot selbst zu verdienen. »Aber sieh doch, Heinrich!« lenkt der Vater ein, »was die Juden für ein Volk sind. Ihre Geldgier, ihre Habsucht.« »Ganz richtig, Papal Du sprichst von der Geldgier der Juden? Hast du sie nicht eben so geerbt wie sie alle? Dein Vater war ein armer, braver Jude, der in seiner Jugend mit dem schweren Packen von Dorf zu Dorf zog, und Wochen vergingen, ohne daß er andere Nahrung gehabt hätte als Brot und Milch . . . Wenn du die Erwerbsucht nicht im Blute gehabt hättest, wärst auch du arm geblieben. Und als du bereits Millionen hattest,

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