Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 500 (sequence 18)
- Language
- German
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500 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Vater, mit meinen Schwestern und mit meinem Bruder ... Ihr ganzes Streben geht dahin, ihre Herkunft zu verleugnen und in einem Kreise Aufnahme zu finden, der sie nicht aufnehmen will . . . Immer wieder unternehmen sie den Versuch, anders zu sein, als sie sind.« Wie verschieden denkt e r! Sein Lebensziel ist, seinen Glaubensgenossen zu helfen, ihr Leid zu lindem. »Draußen der Kampf, um meinem unglücklichen Volke zu helfen, und daheim ein stilles Glück an der Seite eines geliebten Weibes.« Ein Antisemit derselben Art ist Jossew Brandl, ein Lackenbacher, früher Lehrer, jetzt Uhrmacher, Antiquar und alles Mögliche. Er haßt die jüdischen Millionäre. »Sie geben Geld her, das ist alles und scheuen sich nicht Juden zu sein . . . Die jüdischen Millionäre, die sich erst in den letzten zwanzig oder dreißig Jahren ihr Vermögen gemacht haben, die sind der Fluch des Judentums . . . Was wir Juden in der neuen Zeit erduldet haben, das wird alles von diesen Millionären veranlaßt . . . Wer wirft das Geld zum Fenster hinaus und erregt dadurch den Neid aller Welt? Der jüdische Millionär. Wer zeigt bei jeder Gelegenheit, daß ihm der letzte Christ lieber sei, als der beste Jude? Der jüdische Millionär. Der Millionär bildet die Ursache und der Dorfgeher genießt die Wirkung... Wenn einer ein Türke ist, ist er stolz darauf ein Türke zu sein ... nur der jüdische Millionär ist nie stolz darauf, Jude zu sein ... Sie tun alles, um unter dem christlichen Adel zu den Letzten zu gehören, während sie unter den Juden die Ersten sein könnten.« Ihm gegenüber sucht Heinrich die Reichen zu verteidigen: »Sie überheben sich, drängen sich an die Christen heran, verleugnen ihr Judentum, doch bloß insolange, als das Judentum nicht in Gefahr ist . . . aber in der Stunde der Gefahr besinnen sie sich auf den Spruch der Bibel : Alle Juden sind Brüder.« Und wie denken die Adeligen, in deren Mitte der alte Hartenstein aufgenommen werden will? Die Baronesse