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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 4 · p. Seite 498

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 498 (sequence 16)
Language
German
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498 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman allerdings keinen Schuß Pulver wert; ich komme in keine Synagoge, befolge keinen einzigen der Gebräuche des Judentums, keinen Fasttag, nichts, selbst nicht einmal den großen Bußtag, der doch selbst den schlechtesten Juden in die Synagoge führt und zur Reue veranlaßt, und bei allem dem bin ich dennoch Jude und würde mein Judentum nicht für eine Baronie, nicht einmal für ein Königreich hingeben... Vielleicht weil ich die Leiden meines Volkes kenne ... ich würde mein Judentum wie einen alten Handschuh von mir werfen, wenn die Juden nie verfolgt worden wären... das verbindet mich mit ihnen, die Poesie ihres Schmerzes ist die Poesie meines Lebens. Das Judentum verlassen hieße für mich soviel, als ob ich einem kleinen Häuflein Soldaten angehörte, das einer gewaltigen Armee gegenüber steht... Und da soll ich zum Überläufer werden?« Das ist zwar alles sehr richtig, aber auch sehr einseitig. Bildet denn sonst nichts den Daseinsgrund und Zweck und die Berechtigung des Judentums? Der Kaplan meint natürlich, es sei nicht weit her mit der Unterdrückung der Juden, sie hätten ja Geld: »Alle Juden haben Geld, wenn sie auch armselig gekleidet einhergehen«. »Freilich,« entgegnet Heinrich, »die Rothschilds, Kahans, Foulds usw. haben es, aber die vielen Millionen, von den Lackenbachern ganz abgesehen, leben im grauenhaftesten Elend.« Der Kaplan verliert die Hoffnung, ihn im Schoße der alleinseligmachenden Kirche zu sehen. Ich habe schon bemerkt, daß jede Gelegenheit benutzt wird, um die verschiedensten Seiten der Judenfrage zu behandeln. So z. B. bei der Zusammenkunft Dr. Gutmanns mit seinem Bruder, dem Domherrn, den Gegensatz zwischen Juden- und Christentum, doch werden hiebei die gewöhnlichsten Gemeinplätze ins Feld geführt. Aber leider nur zu richtig ist die Schilderung der Großstadtjüdinnen, die einem Ingenieur in den Mund gelegt wird, der mit seiner Frau solche traurige Erfahrungen erlebt hat: »Die meisten schämen sich ihrer Religion. Das gehört zur Vornehmheit,

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