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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 4 · p. Seite 497

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 4
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 497 (sequence 15)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 497 lassen. Eines Tages war er verschwunden und ein Lackenbacher sah ihn zwei Jahrzehnte später als katholischen Priester; e r hatte auch die Taufe von Outmanns Bruder bewirkt. Aber eines Tages war er barfüßig und zerlumpt in der Heimat erschienen und hier stirbt er, mehr als 90 Jahre alt mit dem Rufe: Schema Isroel, adonai elohenu adonai echod! Der Zweck dieser Nebenperson ist klar. Kehren wir zur Hauptperson zurück! Heinrich hält sich, obwohl er, wie gesagt, nie in der Synagoge zu sehen ist und die Gebräuche wenig achtet, für einen guten Juden. »Ich, der mein Judentum äußerlich in nichts bekunde, halte mich für einen besseren Juden, als es viele sind, die täglich stundenlang über dem Talmud gebeugt sitzen und selbst die verschrobensten Gebräuche ängstlich halten«. Dabei hält er die Lackenbacher trotz ihrer Armut für viel glücklicher als die Glaubensgenossen in Polen und Rußland, deren Lage er aus eigener Anschauung kennt. Zu Ostern will er nun doch wieder einmal im Hause Gutmanns »Osterklöße« essen, und Mathilde, die, wie sie selbst sagt, nicht bloß in Shakespeare, sondern auch in der Küche heimisch ist, bereitet sie ihm, trotzdem daß im Hause der Pessach bis dahin nicht beobachtet worden ist. Dazu sind Großvater und Enkelin zu »aufgeklärt«. Unmittelbar nach dem Mahle betritt der Kaplan das Zimmer und versucht hier, gerade hier, Heinrich dem Willen des Vaters gefügig zu machen, auch mit der für einen Priester jedenfalls merkwürdigen Begründung, wenn er den Übertritt auch nicht aus Überzeugung vollziehe, sollte er es doch aus Liebe und Hochachtung für den Vater tun. Der junge Mann weist ihn zurück: »Ich studierte die Geschichte des Judentums mit heißem Bemühn, und je mehr ich von seinen Jahrhunderte währenden Leiden las, umsomehr nahm ich diese Leiden in mein Herz auf... und heute bin ich meinem Gefühle nach Jude mit jeder Faser meines Herzens. Was die Formen meiner Religion, die Dogmen, anbelangt, ist mein Judentum MonatsschriEt, 58. Jahrgang. 32

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