Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 496 (sequence 14)
- Language
- German
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496 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman dem Kummer darüber schreibt der Großvater das bleiche Aussehen der Enkelin zu. Er beschließt nach Wien zu reisen, wo er den Treulosen um jeden Preis zur Rückkehr bewegen will. Er findet ihn im Hause eines Pfandverleihers, eines samt seinerFamilie wenig anmutenden Menschen, mit dessen Tochter er halb und halb verlobt ist, und von dem er sich aushalten läßt Da aber Dr. Gutmann auch seinen vor langen Jahren getauften Bruder, einen Domherrn bei St Stefan, von dem er seit 40 Jahren nichts gehört, und der den Eitern durch den Abfall das Herz gebrochen hat, aufgesucht und von ihm eine sehr bedeutende Geldsumme zur freien Verfügung erhält, so löst er den gleichsam Verpfändeten aus. Der edle Jüngling wendet sich natürlich dem größeren Reichtum zu, dem Großvater scheint der Charakter Nebensache zu sein. In Lackenbach hat sich inzwischen die Sache anders gestaltet. Heinrich hat Mathilde seine Liebe erklärt, und damit ist auch der Grund des schlechten Aussehens behoben. Rosenbaum wird nun natür-!ich abgewiesen. Der junge Hartenstein aber soll sich auf Wunsch des Vaters taufen lassen und eine Baronesse, die langjährige Geliebte eines gräflichen Rittmeisters, heiraten. Es wäre der Kaufpreis für die Baronie und den Zutritt zur aristokratischen Gesellschaft, die selbstverständlich des zudringlichen Israeliten spottet und ihn bloß für ihre Zwecke ausnützt. Der Plan scheitert am Widerstande Heinrichs, und weii die Baronesse zu ihrem alten Verehrer, der mittlerweile eine reiche Erbschaft gemacht hat, zurückkehrt, um ihn zu heiraten. Hartenstein wird in einer rührungsvolien Szene durch die Erinnerung an seine frommen Eltern von seiner Taufwut bekehrt, und die Liebenden —kriegen sich. ln Lackenbach lebt auch Awrom Eisfeld nach einem wechselreichen Dasein als Einsiedler. In seiner Jugend war '׳er ein Wunderkind gewesen, dem der Rabbi ahnungsvoll vorhergesagt hat: Entweder wirst du der ersehnte Messias der geknechteten Juden werden, oder du wirst dich taufen