Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 495 (sequence 13)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 495 Buch des Jahrhunderts werden. Das ist nun sehr französischer Stil und Höflichkeitssprache, aber der Verfasser nahm beides für bare Münze, und als gar nach drei Monaten eine dritte Auflage veranstaltet wurde, glaubte er wirklich, daß dem Buch ein nicht rasch vergänglicher Wert innewohne. War Nordaus Brief eine Schmeichelei, so ist die Meinung des Verfassers eine arge Selbsttäuschung. Es ist nichts weniger als ein Kunstwerk, aber — ut desint vires, tarnen est laudanda voluntas. Ja, der Wille war und ist gut, aber das Fleisch, d. h. die Ausführung, ist überaus schwach, der Stil weniger als mittelmäßig, Fehler gegen die Sprache sehr häufig; daran ändert weder die Anerkennung Nordaus, noch die Selbstzufriedenheit Violas etwas. Und doch — kann das Buch Juden zum Lesen empfohlen werden, denn es enthält viele treffende Äußerungen, die recht beherzigenswert sind. In Lackenbach, einer der sogenannten sieben Kehilloth (Gemeinden), die fast nur von ganz verarmten Juden bewohnt sind, einer herabgekommenen Gemeinde, wie es ihrer in Böhmen, Mähren und Ungarn nicht wenige gibt, da die Wohlhabenderen und die vorwärts strebende Jugend die großen Städte aufsuchen, lebt Dr. Gutmann mit seiner verwaisten Enkelin Mathilde. Besitzer des Gutes Lackenbach ist Herr von Hartenstein, ein reicher Finanzmann, für den sein Sohn Heinrich die Verwaltung führt. Während aber der Vater ehrsüchtig nach dem Barontitel strebend mit dem Judentum nur noch sehr lose zusammenhängt, ist Heinrich, obwohl wie Dr. Gutmann und Mathilde von dem Zeremonialgesetz gänzlich losgelöst, ein begeisteter Anhänger seines Volkes und die Geschichte hat offenbar den Zweck, durch ihn die Ansichten des Verfassers über das Judentum auszusprechen, was denn auch bei sehr äußerlich herbeigeführten Anlässen geschieht. Mathilde ist mit einem Mediziner Rosenbaum, den Dr. Gutman auf seine Kosten studieren läßt, verlobt; der hat aber seit langer Zeit nichts von sich hören lassen und