Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 492 (sequence 10)
- Language
- German
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492 Die DaiStellung der Juden im deutschen Roman Auf die Frage, ob er sich werde taufen lassen, antwortet derselbe: »Es wäre feig (sonst nichts?), und deshalb tue ich es nicht. Im Übrigen würde mir natürlich gar nichts daran liegen ... Ich bin vorurteilsfrei (sic!) .. . Höchstens wegen der Eltern.« Der Widerspruch mit dem letzten Satze entgeht Autor und Jüngling. Oder andere Äußerungen: »Das Ganze ist eine jüdische Geschichte von A bis Z« oder: »Diesen jüdischen Familien ist doch jeder Bräutigam recht. Man hat sich erkundigt, gut. Moneten hat er«. Ist das wirklich nur jüdisch;? Sympathisch allein ist nur die derbe, gescheite Olga, aber auch keine Pragerin, sondern vom Lande gekommen. Ein zweites Werk in einer Reihe »optimistischer Werke meiner letzten Jahre« (Brod ist etwa 27 oder 28 Jahre alt und hat schon dreizehn Bücher verfaßt!) ist Max Brod, Arnold Beer. Das Schicksal eines Juden. Roman. Axel Juncker Verlag, Berün-Charlottenburg. o. J. (1912?) 171 S* Ein Roman? Zu einem solchen gehört notwendig eine Handlung. Es ist aber zum größeren Teile nichts als eine fortgesetzte Zergliederung eines jungen Menschen, dem Titel und Titelbilde nach eines Juden und in der zweiten, kleineren Hälfte die seiner Großmutter, die auf das Urwüchsigste und in einer nur für Dorf- oder Ghettojuden älterer Zeit verständlichen Weise in ganz unverfälschtem Jargon jüdelt. Ich kann nur die Frage wiederholen: Für v/en sind diese sogenannte Romane geschrieben? Den Juden sagen sie, wenns gut geht, nichts Neues, der Nichtjude versteht einen großen Teil nicht und erhält überdies ein sehr einseitiges Bild. Handlung, wie gesagt, gibt es keine, wenn man nicht einige sehr realistische, erotische Szenen als solche angehen lassen will. Arnold Beer übertreibt, wie sein Vater sagt, Alles, nämlich alle die Kleinigkeiten, mit denen er sich beschäftigt, und führt doch nichts zu Ende. Voll grübelnder Scharfsichtigkeit und Lieblosigkeit gegen