Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 491 (sequence 9)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderfs. 491 einziger Charakter hebt sich über die anderen empor; sie lassen uns alle gleichgiitig. Was gezeigt werden soll, weiß ich nicht. Männerfang der Mütter und Töchter, ungezogene Rangen beiderlei Geschlechtes tinden sich doch nicht nur bei den Juden. Doch sollte m. E. ein jüdischer Schriftsteller schon aus natürlichem Taktgefühl vermeiden, seine Glaubens-, oder sagen wir vorsichtig, Stammesgenossen in fast durchwegs unsympathischer Weise vorzuführen, wenn er es schon nicht über sich bringen kann, unbefangen in der anderen Richtung zu sein. Ja, so ein deutscher Flaubert! Es gibt wie brave Christen und Christinnen, so doch auch brave Juden und Jüdinnen. Überlassen wir die Darstellung der schlechten Andern. Freilich, schlechte Menschen werden im Buche ja nicht vorgeführt, aber so herzlich unbedeutende, gleichgütige. Auch der Schauplatz und die Gesellschaft, eine Badegesellschaft mittelsten Ranges in Teplitz, sind nicht geeignet uns zu erwärmen; alle diese Menschen sind äußerst harmlos. Im Ganzen ein Nichts trotz dem deutschen Flaubert, vermutlich des Titels wegen, der allerhand Antisemitisches erraten lassen kann, gemacht und nur für Juden bestimmt Wäre sonst erklärlich, daß ein Mädchen ihrer kleinen Schwester zuruft: Chutzpe!? Oder hat dieses Wort Bürgerrecht in der deutschen Sprache? Es mag ferner dem Prager Leben abgelauscht sein, daß Alfred ein deutschnationaler, daher antisemitischer Judenjüngling mit Worten herumwirft, wie: »Ein jüdisches Benehmen ist das, ich finde keine andere Bezeichnung dafür ... jüdisch ist das!« Er gehöre »zu jenen jungen Juden, die eine starke Hinneigung zu dem Arischen haben und alles Jüdische verächtlich finden, bei denen dies jedoch keine Fexerei . . . zu sein scheint«, aber das ist Wasser auf die Mühle der Gegner, läßt ihren Spott gerechtfertigt erscheinen. Dasselbe gilt von seiner — des jungen Weltanschauung, die auf — Weininger beruht. Es wird dann eben verallgemeinert.