Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 487 (sequence 5)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 487 Sie Darstellung der Jaden bei Wilhelm von Polenz. Wenden wir uns wieder zur Gegenwart und betrachten wir den berühmtesten Roman eines berühmten Schriftstellers. Es ist Der Büttnerbauer von Wilhelm von Polenz. (Gesam. Werke. Bd. 1. Benin. F. Fontane, o. J. 11. Aufl.) »Der Büttnerbauer, der sein Gut bei der Erbteilung stark verschuldet übernommen und es nun trotz heißester Liebe zur Scholle nicht zu halten vermag, vielmehr in die Krallen jüdischer Ausbeuter gerät und ohne zu begreifen, wie es geschieht, wie es das Gesetz zulassen kann, ruiniert wird, ist der typische deutsche Bauer, sein Schicksal das tausend anderer, die, wie er, von dem geltenden »liberalen« Recht im Stich gelassen, im unzerreißbaren Spinnennetz eines gierigen Ausbeutertums zappelnd sterben müssen. Nicht bloß werden die Bauern von ihrem Besitz, es werden auch ihre Kinder in die großen Städte getrieben.« So Bartels in der Vorrede, der nur vergißt hinzuzufügen, daß den Bauer sein Schicksal auch durch eigene Schuld, durch seinen blinden Eigensinn trifft, und daß die eigentliehen Verderber christliche Ausbeuter, die nächsten Verwandten des Büttnerbauers, sind. Dieser könnte sich helfen, wenn er einen für ihn wertlosen, für den Gutsherrn aber sehr wünschenswerten Streifen Landes diesem verkaufte. Er weigert sich aus falschem Stolz und Bauerntrotz, sein eigener Bruder kündigt ihm die Hypothek und sein Schwager Kaschei will ihm Geld nur gegen 6‘/2 vom Hundert leihen. Der ist vor Jahren ohne roten Heller ins Dorf gekommen und jetzt dessen reichster Mann (kein Jude!), hat einen großen Tanzsaal gebaut, treibt Schnaps- und Bierausschank, Kleinkram, Fleischerei, Getreidehandel, vermittelt Landverkäufe und hat auch seine Hand im Spiele bei Güterzerschlagungen, wie sie in der letzten Zeit in und um Halbenau nicht selten stattgefunden